Archiv für Juni 2009|Monatliche Archivseite

Kundschaft aus 1001 Nacht..

Naja, fast. Glücklicherweise hat sich die testweise eingeführte Öffnung bis 22 Uhr so gar nicht rentiert und die Nacht bleibt der Familie statt dem Kunden.

Nachts nicht träumen allerdings möchte ich von meinem Kunden, der kurz nach der Öffnung mit seiner Familie bei den Notebooks stand. Leider sprach er im Gegensatz zu seiner Frau nur sehr schlecht deutsch, daher fragte er auch gleich nach einem türkischsprachigen Kollegen. „Der von neulich!“

Dumm nur, dass es da mehrere zur Auswahl gibt, die anwesenden ihm nicht gefallen haben und er dann trotzdem mit mir vorlieb nehmen musste. Naja.

Jedenfalls wurde er wohl schon „vorberaten“, von eben diesem einen Kollegen, vor einigen Wochen schon. Jetzt allerdings sind seiner Meinung nach die Preise enorm in die Höhe gegangen, das wäre ja alles Betrug, was wir Deutschen uns denn da erlauben würden (ja, das hat er so gesagt).

Ich versuchte ihn zu beruhigen, dass die Preise mitnichten so massiv gestiegen wären, nur ist das Notebook, das er an eben dieser Stelle vor einigen Wochen gesehen hat, mittlerweile leider vergriffen, daher steht da jetzt ein anderes, besser ausgestattetes Modell mit einem höheren Preis. Naja, 20 Euro höher, ist natürlich kriminell. „Sein“ Notebook war ausserdem noch weiß während das aktuelle Gerät schwarz lackiert ist. Aber das kann man ja schnell verwechseln.

Teilweise wirkt er dann auch, als wenn er alles verstanden hätte. Wenn er nicht alle paar Minuten lauthals nach dem Geschäftsführer brüllen würde. „Jaja, haben sie gut erklärt, ist andere Modell, andere Gerät, deshalb teuerer. Gut. Ich will das kaufen. Ist in Ordnung. GESCHÄFTSFÜHRER SPRECHEN! SO EIN BETRUG! Ja, ich will noch diesen Vertrag mit mobile Internet dazu. GESCHÄFTSFÜHRER!“

So ähnlich wirkte die Unterhaltung jedenfalls. Da ich bei den UMTS-Verträgen nicht so wirklich der Vollprofi bin, dazu haben wir andere Leute, habe ich ihn und seine Familie gebeten, sich diesbezüglich doch bitte in der Handyabteilung zu melden wenn sie sich ein Notebook ausgewählt haben. da die Kollegen dort dann auch den UMTS-Vertrag machen und dann die beworbene Gutschrift in Höhe von 400 Euro (2 Jahre Vertragsbindung, viel Geld monatlich, wersbrauchtnajaichbrauchsnicht-vertrag) verrechnen muss der Kunde da eh hin anschließend. „400 Euro? Betrug! Ich will Geschäftsführer sprechen! Türkische Kollege hat gesagt, gibt 500 Euro!“. Ok, ich versuche zu schlichten. Eventuell gibt es tatsächlich einen netten Knebelvertrag, bei dem es 500 Euro Prämie abzustauben gibt. Das werden die Kollegen in der Handyabtei.. „Geschäftsführer! BETRUG!“ – „Entschuldigen sie bitte, mein Mann versteht nicht alles was sie sagen. Der meint das nicht so.“ wirft seine Frau noch ein. „BETRUG!“

Letztendlich  hat seine Frau es geschafft, ihn in die Handyabteilung zu schubsen, unser Geschäftsführer blieb unbehelligt. Der hätte sich auch nur für seine Landsleute geschämt befürchte ich. Allerdings hatte der türkische Kollege aus dem Mobilfunkbereich noch viel Spaß mit dem Herren, türkisch konnte der nämlich offenbar ähnlich schlecht verstehen wenns um Geld ging ;) ..

Der Teamleiter der weißen Ware ist da auch viel cooler als ich. Als ein Kunde dort einen Mitarbeiter im besten Deutsch darum bat, doch bitte den Teamleiter zu holen, weil dieser ja ein Türke sei und er lieber türkisch sprechen würde, ist der Teamleiter natürlich auch brav, wenngleich kopfschüttelnd, erschienen. Allerdings begrüßte er den Kunden auf Deutsch (da dieser Kunde öfter bei uns einkaufte war bekannt, dass der besser deutsch spricht als viele Nachwuchsdeutsche, zumindest wenn man nach flüchtig belauschten Bus-Unterhaltungen geht). Der Kunde grüßte türkisch zurück. Teamleiter : „Und, wie kann ich ihnen jetzt helfen?“ – „Ich würde gerne türkisch reden“ (auf türkisch) – „Oh, das tut mir leid. Ich verstehe sie leider nicht. Ich bin schon so lange in diesem Land, irgendwie muss ich mich da angepasst haben. Ist bei der Arbeit ja auch unhöflich oder?“

Naja, sie haben das dann auf deutsch beendet, ging gut und problemlos ;) ..

Unfreundliche Dame

Ich berate da gerade fleissig einen jungen Mann, der sich für Gamerhardware (Maus, Tastatur, etc..) interessiert und auch durchaus auf hochwertige Produkte wert legte. Das kann unter Umständen eben auch mal ein paar Minuten dauern und ich plaudere auch gerne mal ein paar Sätze mit der Kundschaft, wenn ich sehe, dass gerade niemand anderes wartet und nicht bedient wird oder werden kann.

Einzig eine ältere Dame wartete, wurde aber von meiner Kollegin begrüsst und ins Netzwerkregal geführt, alles ok also.

Offenbar doch nicht, nach einer knappen Minute kam diese Dame um die Ecke gebogen und stellte sich mit in den Hüften verschränkten Armen in den Gang. Allerdings sagte sie nichts, daher zählte ich weiter die Vorzüge von Logitechs MX518 und G5 auf (ich mag die Ergonomie der Dinger..). Nach kurzer Zeit räusperte die Dame sich und begann zu fluchen. Laut.

„Junger Mann, ich brauche hier DRINGEND Beratung. Das kann ja wohl nicht angehen, dass der Mensch da eine Beratung wegen einer Maus braucht. So eine Maus kauft man einfach, das ist doch nichts, die kostet doch nichts, was soll das denn?“

Da sie mittlerweile schon recht rot im Gesicht war grinste mein Kunde mich nur an und meinte, ich solle die Dame doch zwischendurch schnell bedienen, nicht dass sie uns noch an einem Herzinfarkt stirbt ;) .

Letztendlich benötigte die Frau nur einen WLAN-Router, den ich ihr mit ein paar Erklärungen gespickt („Mehr brauchen sie nicht sagen, installieren muss den eh mein Sohn.“) in die Hand drückte. Den gleichen Router, den auch meine Kollegin schon ausgewählt und präsentiert hatte. DAS wurde allerdings komplett ignoriert. Verabschiedet wurden wir dann mit zwei Sätzen. Der erste :

„Na sehen sie mal, das hat sich doch auch für ihr Geschäft gelohnt, nicht so wie eine popelige Maus.“

Und der zweite :

„Sie sind nett junger Mann, ich wünsche ihnen viel Erfolg im Ehebett!“

Danke, den Erfolg hatte ich schon, mein Sohn ist toll, knuffig und niedlich, meine Frau die beste der Welt. Und : Der tolle Router hat 24,99 Euro gekostet, die popelige Maus hat zusammen mit anderer Hardware insgesamt über 100 Euro Umsatz gemacht, Gewinnspannen plaudere ich allerdings nicht aus..

Scarface

Wie ein Kollege aus der benachbarten Abteilung erzählte, wollte vor kurzem jemand seinen Rasierapparat zurückgeben. Der Mann hatte im gesamten Gesicht recht böse aussehende Wunden und regte sich auf : „Das Gerät ist ja lebensgefährlich, sowas darf gar nicht verkauft werden!“. Er habe nur die Schutzkappe abgenommen und sich zu rasieren begonnen, was dann eine sehr schmerzhafte Erfahrung wurde.

Dummerweise hatte er nicht nur die Plastikschutzkappe sondern den kompletten Scherkopfschutz abgenommen, so daß er sich mit den bei diesem Modell offenbar leicht zugänglichen Messern direkt rasiert hat. Das sorgte natürlich für Geschnetzel im Gesicht. Was allerdings unverständlich bleibt – warum zur Hölle hat der Mensch nicht nach der ersten Wunde aufgehört sondern sich stur komplett rasiert??

Ich weiß schon, warum ich mich nass rasiere ;) ..