Archiv für März 2010|Monatliche Archivseite
Sisyphosarbeit
Einige Hersteller sind so freundlich und gewähren großzügige Retourenrechte. So darf man schlecht laufende Artikel des Herstellers nach einiger Zeit einfach brav zurücksenden, was besonders praktisch ist, wenn ein komplettes Produktsortiment erneuert wird.
Eben dieses Zurückschicken versuchte ich eines schönen Tages vorzubereiten. In der Hand eine sehr lange Liste mit sehr vielen Produkten, die zusammengesucht werden wollten. Da man solche Aufgaben natürlich während der Öffnungszeiten, also mit Kundenverkehr, erledigen muss dauert es unter Umständen auch schon etwas länger – nach einigen Stunden stapelte sich dann dort aber die Ware auf einer vollgepackten Palette, abfahrbereit ins Lager. Nur die Versandmitteilung musste noch ausgedruckt werden. Da das Büro am anderen Ende des nicht ganz so kleinen Ladens ist, wird man zwischendurch erneut von diversen Kunden – einige sind ganze schöne Plaudertaschen – abgefangen. Zwei erfolgreich verkaufte Notebooks, diverses Zubehör und eine weitere Stunde später ist der Beipackzettel ausgedruckt, die Retoure im System angelegt. Zurück auf die Verkaufsfläche, Palette ins Lager fahren und weg damit.
Dummerweise hat die frisch eingetroffene Aushilfe offenbar in Eigeninitiative nach Arbeit gesucht und die Ware von der Palette brav wieder in die Regale geräumt. Argh!
“Treffe verbindliche Aussagen dem Kunden gegenüber”..
Würde man manchmal gerne, geht aber nicht immer so, wie man es plant. Ein Kunde möchte gerne eine etwas exotischere Hardware jenseits des Standardsortimentes haben. Kein Problem, lässt sich bestellen. Da der Kunde es etwas eilig hat, ruft man beim Großhändler an und fragt nach, ob das Produkt lieferbar ist und bis wann mit der Lieferung gerechnet werden kann. Auf das fröhliche “morgen, spätestens übermorgen”, das ich dem Kunden weitergegeben habe, folgte von seiner Seite ein frohes Nicken, so dass ich das Teil dann auch gleich bestellt habe..
Einen Tag später, der Kunde ruft an und fragt, ob er denn wider Erwarten schon glück hat mit seiner Hardware. Nein, leider noch nicht, ist aber ja noch alles im Zeitplan.
Noch einen Tag später, das Lager vermeldet, dass alle Paketdienste durch sind, das bestellte Teil aber nicht dabei war, ist der Kunde schon etwas weniger fröhlich. Ich übrigens ebenso. Anruf beim Großhändler – “Öhm. Ja, also ihre Bestellung sehe ich. Aber da war ein wichtiger Kunde, der das Teil auch brauchte, den haben wir dann bevorzugt behandelt. Kommt aber morgen wieder rein, schicken wir dann gleich los.”. Ok.. Wichtiger Kunde? Da arbeitet man schon bei einem der großen, also der wirklich großen, Kunden und dann sowas. Mein Kunde war jedenfalls einverstanden, doch noch ein paar Tage zu warten.
Einige Tage später war das Teil immer noch nicht eingetroffen. Erneuter Anruf beim Händler. “Jaaaa, also, das ist mit dem Paketdienst raus. Und heute wieder eingetroffen, mit dem Vermerk, dass der Fahrer ihr Geschäft nicht gefunden hat.” – Nee, ist klar. Lustigerweise hat er aber die zehn anderen Pakete abgeben können bevor er gemerkt hat, dass er den Laden nicht finden konnte. Genau der richtige Zeitpunkt, um einmal tief durchzuatmen. Nach ein paar weniger freundlichen Worten an den Telefonpartner, erklärte dieser sich bereit, noch einmal per Express zu versenden. Dann wäre es am Folgetag garantiert da.
War es nicht. Der Kunde hatte dann auch kein Interesse mehr, nachvollziehbar. Abbestellen beim Händler ging laut seiner Aussage nicht mehr, da das Paket ja im Versand ist. Der Expressdienst hat dann übrigens noch zwei Wochen gebraucht, um das Gerät zu liefern. Auf dem beiliegenden Packschein stand netterweise der Termin vom Vortag.
Öhm, sehr nett, danke..
Da gibt man einer Kundin, die rasch einen Kugelschreiber benötigte, sein wertvollstes Arbeitsutensil – leihweise und streng auf fünf Minuten begrenzt – und wundert sich bei der Rückgabe etwas über den Zustand des Stiftes. Leider ist die Kundin recht schnell verschwunden, sonst hätte ich ihr den Kugelschreiber trotz des erschreckenden Mangels an Schreibgeräten geschenkt. Ich frage mich allerdings noch, wie man es in fünf Minuten schafft, den Stift tatsächlich an jeder erdenklichen Stelle anzunagen und abzukauen. *grusel*
Werbung verwirrt
Es passiert ja schon sehr oft, dass Kunden die Werbeaktionen der verschiedenen Elektromärkte durcheinander bringen oder bei hauseigenen Aktionen nicht so ganz hinhören und etwas falsch verstehen. Tom vom Bestatterweblog berichtet zum Beispiel gerade von schlechten Mobilfunkverbindungen und Verständnisproblemen bei seinem Bekannten – da geht es um die Aktion eines Mitbewerbers, der Gutscheine über bis zu 100 Euro verteilt hat, wenn man ausreichend teuer eingekauft hat.
Als diese Aktion lief, kamen bei mir natürlich auch einige Schnäppchenjäger vorbei und verlangten Warengutscheine. Drollig sind dann immer Aussagen wie “Sie sind verpflichtet JEDE Werbeaktion der Konkurrenz mitzumachen! Sonst kann ich mich als Kunde ja auf gar nichts mehr verlassen!” – Mein Gegenargument, dass man in diesem Falle die ganze Werbung ja eigentlich sein lassen könnte, da sich dann ja niemand mehr von den Mitbewerbern unterscheiden würde, wurde ignoriert, der Geschäftsführer herbeigebrüllt und nach einiger Zeit betreten der Laden verlassen. Nun gut.
Auch wenn es lustige “Alt-gegen-Neu”-Spektakel gibt, erlebt man lustige Sachen. Oft gibt es bei solchen Aktionen Einschränkungen, so dass die Aktion nur in gewissen Abteilungen gilt. Meistens ist der PC-Bereich davon explizit ausgenommen (oder die Aktion findet speziell NUR im Computerbereich statt). Solche Einschränkungen werden aber nicht mehr wahrgenommen. Als das letzte mal Alt-gegen-Neu im TV-Bereich beworben wurde, kam dann auch ein Kunde mit einem antiken Serverschrank auf einem Hubwagen angerollt. “Hier, der ist alt, ich nehme den PC da für 399 Euro, also dann für 299 Euro – schreiben sie mir ne Quittung, das wird der neue Firmenserver.” Es war wirklich knifflig, dem Menschen so viele Fehler gleichzeitig zu erklären. Kein Alt-gegen-Neu, er darf sein Ungetüm wieder mitnehmen, kein Rabatt und dann auch noch das kniffligste – einem von sich sehr überzeugt wirkendem Menschen beibringen, dass ein Billigstrechner eines nicht sonderlich vertrauenswürdigen Komplettsystemherstellers nicht unbedingt den stabilsten Server abgibt. Und dass er bei “dem unverschämt hohen Preis” leider auch keine drei Jahre Vor-Ort-Service inkl. Leihgerät bekommt. Das ist fast so schwer, wie Leuten zu erklären, dass ein 120-Euro-Farblaser oft teurer druckt als ein 120 Euro Tintenstrahldrucker (wenn man denn den richtigen Drucker nimmt).
Seltsame Einstellungskriterien
Da darf man einen potentiellen neuen Kollegen einarbeiten, der für zwei Monate im Rahmen eines Praktikums seine Tauglichkeit beweisen soll. Und, was soll man sagen, der Mensch ist freundlich, kompetent, arbeitet zügig nicht nur die zugetragenen Aufgaben ab sondern sucht sich auch selbstständig neue Arbeiten, wenn gerade nichts anderes anliegt. Seine recht umfassende Fachkenntnis kann er, und das findet man leider viel zu selten, auch den Kunden nahebringen und löst im Handumdrehen auch abwegige Probleme – alles perfekt eigentlich. Die zwei Monate gingen verdammt schnell vorbei, ich freundete mich mit dem Menschen an und wir machten ab und an das Nachtleben unsicher – wenns nach mir und irgendwie auch allen anderen Kollegen der Abteilung gehen sollte, wäre der Mensch sofort vom Fleck weg fest eingestellt worden.
Kurz vor dem Ende seines Praktikums fragte dann auch der Teamleiter nach, wie wir anderen denn den neuen Kollegen so sehen und ob wir persönlich ihn einstellen würden. Wie erwartet, jeder war dafür.
Eine Woche später erschien der Mensch allerdings nicht bei der Arbeit und meldete sich nicht auf Kommunikationsversuche. Auf Nachfrage beim Vorgesetzten hieß es dann, er wäre nicht eingestellt worden. Warum? Weil er beim abschließenden Gespräch mit einer Lederjacke aufgetaucht sein soll, das wäre ja sehr unprofessionell. Ah? Mein Einwand, dass er halt kein Auto sondern ein Motorrad fährt und jeden Tag mit besagter Lederjacke erschienen ist – dann aber unter der wärmenden Hülle durchaus anständig gekleidet gewesen ist, perlte an der geballten Personalkompetenz meines Vorgesetzten ab. Lederjacke geht gar nicht, der entsprechenden Person soviel Zeit zu lassen, diese Jacke auszuziehen um sich in entsprechend “professioneller” Kleidung zu präsentieren, ist nicht vorgesehen. Nett.
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