Archiv für 2. März 2010|Tagesarchiv

Seltsame Einstellungskriterien

Da darf man einen potentiellen neuen Kollegen einarbeiten, der für zwei Monate im Rahmen eines Praktikums seine Tauglichkeit beweisen soll. Und, was soll man sagen, der Mensch ist freundlich, kompetent, arbeitet zügig nicht nur die zugetragenen Aufgaben ab sondern sucht sich auch selbstständig neue Arbeiten, wenn gerade nichts anderes anliegt. Seine recht umfassende Fachkenntnis kann er, und das findet man leider viel zu selten, auch den Kunden nahebringen und löst im Handumdrehen auch abwegige Probleme – alles perfekt eigentlich. Die zwei Monate gingen verdammt schnell vorbei, ich freundete mich mit dem Menschen an und wir machten ab und an das Nachtleben unsicher – wenns nach mir und irgendwie auch allen anderen Kollegen der Abteilung gehen sollte, wäre der Mensch sofort vom Fleck weg fest eingestellt worden.

Kurz vor dem Ende seines Praktikums fragte dann auch der Teamleiter nach, wie wir anderen denn den neuen Kollegen so sehen und ob wir persönlich ihn einstellen würden. Wie erwartet, jeder war dafür.

Eine Woche später erschien der Mensch allerdings nicht bei der Arbeit und meldete sich nicht auf Kommunikationsversuche. Auf Nachfrage beim Vorgesetzten hieß es dann, er wäre nicht eingestellt worden. Warum? Weil er beim abschließenden Gespräch mit einer Lederjacke aufgetaucht sein soll, das wäre ja sehr unprofessionell. Ah? Mein Einwand, dass er halt kein Auto sondern ein Motorrad fährt und jeden Tag mit besagter Lederjacke erschienen ist – dann aber unter der wärmenden Hülle durchaus anständig gekleidet gewesen ist, perlte an der geballten Personalkompetenz meines Vorgesetzten ab. Lederjacke geht gar nicht, der entsprechenden Person soviel Zeit zu lassen, diese Jacke auszuziehen um sich in entsprechend “professioneller” Kleidung zu präsentieren, ist nicht vorgesehen. Nett.

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