Komplett-PCs „von der Stange“

Einer der Gründe, weshalb der Elektronikdiscount sich einen schlechten Ruf aufgebaut hat, ist sicherlich die oft eher zweifelhafte Qualität der dort angebotenen Komplettrechner. Dabei stammen die nicht vom Markt selbst sondern werden von Herstellern wie Packard Bell, Acer, Medion oder HP zusammengestellt und installiert.

Informationen über verbaute Komponenten gibt es da für den Einkäufer im Markt so gut wie nie, auch die Verkäufer haben keine andere Chance, als die Rechner auszupacken, zu öffnen und selbst nachzusehen, was drinsteckt. Da die Mainboards meist OEM-Fertigungen für den jeweiligen Hersteller sind (meist arg abgespeckt, zum Teil um Geld zu sparen, zum anderen Teil um experimentierwillige Kundschaft auszubremsen, da durch unbedachtes Übertakten viele Servicefälle entstehen), gibt es auf den Internetseiten der Boardhersteller keinerlei Infos über die Teile und natürlich auch keinen direkten Treibersupport. Der Treibersupport vom PC-Hersteller ist erfahrungsgemäß dann doch eher bescheiden bis gar nicht vorhanden.

Informationen über Lautstärke, Stromverbrauch, etc. gibt es für die Verkäufer gar nicht, die Zeit all diese Punkte nachzumessen fehlt so gut wie immer. Leider oft genug auch das Interesse, wobei ich da glück habe und mit Kollegen zusammenarbeite, die selbst durchaus interessiert sind an der Technik im Tower. Wer mich kennt oder hier ab und an mitliest wird sicher schon gemerkt haben, daß ich eh der erste bin, der neue Geräte erst einmal auf Herz und Nieren prüft, auseinandernimmt und recherchiert was im PC steckt.

Glück haben wir in diesem Punkt auch mit der Geschäftsführung unseres Marktes, da unser Chef selbst ehemaliger PC-Verkäufer war und immer noch sehr interessiert ist, uns also keine Steine in den Weg legt. Das ist allerdings in vielen anderen Märkten nicht der Fall, da wird nur stumpf verkauft, engagierte Kollegen ausgebremst mit dem Argument, daß die Zeit fehle oder die Kundschaft sich eh nicht dafür interessieren würde.

Das mag in vielen Fällen stimmen, gerade stark beworbene Sonderangebote werden meist ohne Beratungswunsch einfach abgegriffen und mitgenommen. Dabei wäre für viele Kunden etwas Beratung gar nicht falsch, nicht jeder braucht einen dicken QuadCore-PC mit Gamergrafikkarte und zig Terabyte Festplattenspeicher, auch nicht wenn die netten Leute im Fernsehen das laut bewerben. Andererseits freut sich Sohnemann sicher nicht über einen weihnachtlich geschenkten Computer mit Intel-Onboardgrafik und 250 Watt Netzteil zweifelhafter Herkunft, auch wenn die Tante in der Werbepause und bei eher weniger seriösen Computerzeitschriften behauptet, das wäre für das ultimative Spieleerlebnis perfekt.

Auch wenn 90% meiner Kunden keine tiefergehenden Infos zu den Systemen wünschen, freuen sie sich, wenn sie gut beraten werden. Dazu gehört auch der Verkauf eines eigentlich deutlich preiswerteren Systems als angepeilt war. Aber Opa Heinz will eben nur Texte schreiben und Fotos von seiner neuen Kamera speichern, da reicht eben auch ein kleines Einsteigersystem. Wenn man da auf einige hundert Euro Umsatz verzichtet brummelt der eine oder andere Chef gerne mal, ich sehe aber eher den Imageschaden, wenn falsch beratene Kunden ihre Verwandtschaft und alle Freunde vor dem Laden warnen. Viel zu oft ist aber eben diese Mundpropaganda offenbar als unwichtig eingestuft worden, sonst hätten die großen Elektronikhändler nicht den Ruf, den sie haben.

An genau so einem Ruf arbeiten auch die PC-Hersteller. Wenn Rechner intern so mies verkabelt sind, daß Lüfter stillstehen und der Rechner überhitzt dann hat man den Servicefall fast automatisch. Wenn vergessen wird, Stromstecker an Grafikkarten zu befestigen wundert sich der Kunde im besten Fall über die zweifelhafte 3D-Power, oft aber über einen arbeitsunwilligen Computer.

Auch die Konfigurationen sind oft sehr schlampig durchgeführt. Da wird ein System mit 2x640GB Festplattenspeicher verkauft und der Hersteller „vergisst“ 500 GB davon zu partitionieren, so daß nur erfahrene Anwender in der Systemverwaltung an den fehlenden Speicher kommen. Ich wette, viele Anwender merken das nie.

Anders herum gehts auch, eine Serie PCs wurde mit 320 GB Festplattenspeicher beworben und eingekauft, im Rechner steckten aber zwei dieser Platten, dafür fehlte ein Gigabyte Arbeitsspeicher.

Manchmal fehlt sogar die Grafikarte komplett. Ist mir einmal untergekommen, eine komplette Serie wurde nur mit Onboardgrafik ausgeliefert statt mit der (zugegeben, auch sehr schwachen) gesteckten PCIe-Grafikkarte. Treiber für die Karte waren aber installiert, da muss einer gepennt haben. Beim Hersteller hieß es auf Nachfrage übrigens „Oh, die Karten haben wir nicht mehr vorrätig, aber das merkt doch eh niemand.“. Ok…

Was dieser Eintrag soll? Informieren, wenn auch konfus ohne Planung geschrieben. Tätschelt eurem PC-Händler mal tröstend über den Kopf beim nächsten mal 😉 .. Oder wie eine Kundin gestern zu mir meinte : „Sie haben ALL die Preise für das Verbrauchsmaterial dieser Drucker im Kopf? Und wissen auch noch, wie viele Seiten man mit diesen Patronen ungefähr drucken kann? Und das mit DER Erkältung?“ . Ich habe ihr lieber nicht gesagt, daß ich dazu noch die Einkaufs- und Verkaufspreise so ziemlich aller Produkte im Computerbereich „meines“ Marktes im Kopf habe und natürlich von sehr sehr vielen Produkten die technischen Daten und bekannte Probleme beim Betrieb. 10 Jahre Computerverkauf und dazu mindestens 16 Jahre PCs als Hobby bringen da Vorteile 😉 ..

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10 comments so far

  1. Kork on

    Das Prinzip kann auch für einen arbeiten.
    Mein Schlepptop aus dem Angebot von Satan hatte ja statt dem im Angebot stehenden Intel-Chip auch eine recht feines ATI-Teil verbaut. (Mit dem die Kiste normalerweise ~ 200 Euro mehr gekostet hätte…)

  2. Andy on

    Gut geschrieben!
    Mach Deinen Job bloss nicht zu gut … dann haben wir weniger zu tun! 😉

  3. SPages on

    In diesem Blogeintrag wurde eigentlich alles gesagt.

    Aber die Leute werden wohl weiterhin viel Geld in Rechner investieren die viele dinge könne die sie nicht brauchen und viele dinge nicht können die sie sehr wohl brauchen.

    Bsp: AOL-Software + Vista – böse böse

  4. noch ein Markus on

    naja, also das die Einkäufer von Elektro-Discountern nicht wissen was in den eingekauften PCs verbaut ist glaub ich noch nicht wirklich. Über diese Schiene werden doch wahrscheinlich ~70-80% der Komplettrechner verkauft, da denke ich schon das da Informationen zur Verfügung stehen. Voraussetzung ist natürlich, den Einkäufer interessiert, was da verbaut ist und er hält nicht nur die Hand auf.

    Ansonsten hast du ja gerade über die Qualität der Dinger alles gesagt
    🙂

  5. computerfuzzi on

    Bei den Märkten mit der elektronisch verunzierten Frau (Werbung ;)) ist es so, daß das normale Sortiment von den jeweiligen Teamleitern der Abteilungen bestellt wird, d.h. jeder Markt bestellt sein eigenes Sortiment und handelt da teilweise sogar seine eigenen Preise aus. Nun ist es tatsächlich so, daß die Informationen der PC-Hersteller über ihre Modelle sehr sehr schwach sind. Da bekommt man einen Anruf von XXX mit dem Inhalt „Wir haben da einen Posten toller Komplettrechner. Quadcore, 4Gig RAM, 9600GS mit 768MB und jetzt lausch mal gut – BluRay-Laufwerk. Kannst du für 599 Euro anbieten bei euren Konditionen.“ .. Nachfragen, was denn da für ein Board verbaut ist, welche Grafikkarte das genau ist, etc. ist fruchtlos, da diese Fragen meist ohne längere Recherche (und die ist unerwünscht) gar nicht beantwortet werden können. Ich habe auch schon diverse Aussendienstler nach genaueren Infos zu ihrer Ware, die sie mir ja schließlich verkaufen wollen, gefragt. „Aber eine aktive PFC hat das tolle Netzteil hier nicht oder? Wie sind denn dann die Ampereleistungen auf +12V z.B.? 500 Watt als Kernaussage ist mir doch zu wenig.“ – „Ähm. aktive was? Wieso Ampere? Das hat 500 Watt, keine Ampere. Und wieso PVC?“ . Ja. Ugly..

    Ich bin ja schon froh, wenn mein Teamleiter mich ab und an fragt, wie denn Grafikchip xy einzuordnen ist.. Mehr Infos gibt es nicht..

  6. computerfuzzi on

    Ach ja, bei dem Netzteil habe ich die Infos dann aus einem c’t-Test bekommen, der Aussendienstler wusste auch beim nächsten Besuch nichts über die Dinger.

  7. noch ein Markus on

    das würde natürlich die Beratungsleistungen mancher Verkäufer in den Läden erklären. wenn die selbst nicht wissen was verbaut ist können die das natürlich auch nur schlecht weitergeben wenn jemand eine Frage hat.
    sehr irritierend…

  8. computerfuzzi on

    Und jetzt nimm noch einmal erschwerend hinzu, daß so ein Verkäuferteam aus ein bis zwei Vollzeitkräften und massenweise (studentischen) Aushilfen, Praktikanten und Azubis besteht. Die Vollzeitler haben neben dem Verkauf noch tausend andere Dinge zu erledigen, wären aber noch am ehesten engagiert, sich mit den technischen Details auseinanderzuseten. Aber so eine Aushilfe, die zweimal die Woche für 5 Stunden dort arbeitet macht sich die Mühe oft nicht. Das ist auch eines der Hauptprobleme, zumal es deutlich entspannter zu arbeiten ist, wenn man mehr in Vollzeit festangestellte Mitarbeiter hat als wenn man eine ganze Horde von Aushilfen einplanen muss.

  9. Crizzo on

    Hi!

    Hast du schon einmal einem Kunden, der nur Office usw. vorhat einen Mac empfohlen?
    Besonders bei Leuten, die mit der Technik nicht so klar kommen, soll das Betriebssystem leichter zu erlernen sein.

    Gruß

  10. computerfuzzi on

    Habe ich. Allerdings dann weniger dem altgedienten Windows-Recken sondern eher dem Neueinsteiger. Für den Einstieg ist MacOS meiner Meinung nach wirklich toll, wenn man aber schon „verdorben“ ist durch Windows wirds oft knifflig. Zumal die meisten Leute, die sich wirklich nur für Office interessieren eher ältere Herrschaften sind, die sich nicht mehr umstellen wollen.


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