Chef sein..

Neulich war CeBit. Praktisch sowas, doof nur wenn jeder halbwegs wichtige Mensch in der Abteilung einige Tage dort verbringen muss und die Abteilung (von Aushilfen, Praktikanten und Auzubildenden abgesehen) fast nur aus entsprechend wichtigen Menschen besteht. Der einzige nicht-ganz-so-wichtige-weil-weder-Teamleiter-noch-Assistent war ich, womit die CeBit für mich nur am Sonntag stattgefunden hätte. Habe mich dann meiner Familie zuliebe dagegen entschieden, mich in den Messetroubel zu schmeissen.

Die Woche im Laden war entsprechend stressig. An zwei Tagen war die gesamte „Führungsriege“ in Hannover, so dass nur noch der computerfuzzi als einzige Vollzeitkraft übrig blieb und somit zumindest Entscheidungsgewalt hatte. Ok, letztlich darf ich die meisten Kundenentscheidungen (Rabatte, Rücknahmen, etc.) auch nach Gewissen so entscheiden.

In diesem Falle wars aber ungewohnt, als ein sehr angefressenes Pärchen vor mir stand, welches wohl schon einen telefonischen Disput mit unserer Auszubildenden hatte.

Ihr Notebook, gerade einmal vier Tage frisch, sei defekt und müsse dringend zurückgegeben werden. Und laut einer ominösen EU-Richtlinie hätten sie ja sowieso auch ohne Angabe von Gründen innerhalb der ersten 14 Tage das Recht auf die Erstattung des vollen Kaufpreises, das wäre jetzt ja auch mal angebracht.

Ich beruhigte die Leute und versprach, mir das Gerät doch erst einmal anzusehen. Während ich das Notebook auspackte versuchte ich ihnen allerdings schon einmal den Zahn „Recht auf Rückgabe“ zu ziehen und wies darauf hin, dass es eine solche Möglichkeit ohne Defekt zwar im Online/Telefonhandel gebe aber eben nicht im stationären Handel. Eben weil diese Möglichkeit nur deshalb eingeräumt wurde, da man bei einem Webshop zum Beispiel das Produkt nicht persönlich in Augenschein nehmen kann, im Laden aber schon.

Daraufhin wurden sie biestig und verwiesen auf ihren Freund, der Anwalt sei und sie eben zu diesem Thema instruiert habe. Auf jeden Fall müssen sie ein JEDES im Laden gekaufte Produkt innerhalb von 14 Tage auch ohne Angabe von Gründen zurückgeben können. Eine Wertminderung durch intensiven Gebrauch und entsprechende Gebrauchsspuren gebe es laut diesem EU-Recht auch nicht. Ich solle doch einmal meinen Abteilungsleiter holen, ich würde mich ja nicht auskennen, das könne ja nur noch der Chef richten.

Lustigerweise war das in diesem Falle ausnahmsweise wirklich ich selbst. Nicht einmal der Geschäftsführer oder sein Vertreter waren im Haus.

„So bringt das nichts. Holen sie bitte den Leiter dieser Abteilung.“ – „Kein Problem. Steht vor ihnen.“ – „Oh.“

Schönes Gefühl. Daraufhin waren sie auch wieder freundlich.

Ach ja, das Gerät hatte übrigens keinen Defekt. Nachdem der Sohn der Familie ein paar .iso per Daemontools installieren wollte gabs wohl bei einer dieser dezentralen Sicherheitskopien einen Absturz. Das war dem Sohn Grund genug, auf einen kompletten Defekt zu tippen. „Das hat dann immer mit dem Mainboard zu tun und da bringt auch Einschicken nichts, sowas setzt niemand instand“. Klar.

Ich hab dann noch einen aktuelleren Grafiktreiber installiert, die Eltern auf die zweifelhafte Herkunft des einen oder anderen Programmes hingewiesen, einige Viren per Knoppicilin entfernt, die sich fieserweise ausgerechnet in den Sicherheitskopien versteckt haben (rapidshare muss ein echt gutes Backupprogramm sein, wenn da so viele Leute ihre .ISO sichern.. *pfeiff*) und sie dann wieder nach Hause geschickt.

Das mit dem zweifelhaften Anwaltstipp haben sie allerdings nicht begreifen wollen, bis zuletzt nicht.

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6 comments so far

  1. Daniel on

    Haben eigentlich irgendwelche Kunden irgend ne Neuregelung in den falschen Hals bekommen, oder sind das nur die üblichen hoffnungslosen Fälle die keinen Unterschied zwischen On- und „Offline“handel erkennen?
    Gabs etwa in der b*ld ne Kolumne zum Thema? 🙂

  2. Der S on

    DIe meisten lesen nur „14 tägiges Rückgaberecht“ und so ist es dann auch überall. 😉

  3. gr3if on

    Ich werf mich weg…. Ich mein ich finds auch lustig wenn man eine externe Festplatte nach 1,5 Jahren Nutzung zurückgeben kann, weil wirklich defekt und man bekommt sein ganzes Geld wieder aber so?

    OMG! Und der Sohn gehört gevierteilt… Ich benutze auch gerne mal Daemon Tools nur irgendwie gehört dazu ein Router und ein Antivirenprogramm auf jedem Pc…

  4. Andy on

    Es gibt ein Rückgaberecht bei falschen Werbeversprechen. Weiss jetzt aber nicht genau, wie das heisst.

    Ein Bericht stand z.B. bei Reseller News, Beispiel war da ein Laserdrucker, der mit 30S/Min beworben wurde.
    Ein Kunde hat ihn nach einem halben Jahr mit leerem Toner zurückgegebn, da er nur 20(?) ppm schaffte … und hatte Recht bekommen!

    Einfach nur krank … dieser „Kundenschutz“ in Dtl.!

    Anderes Beispiel „Preisangaben bei Bildschirmangeboten “ hier:
    http://www.urteilsticker.de/index.php4?z=urteil&id=283

  5. computerfuzzi on

    SOWAS hatte ich glücklicherweise noch nie. Nur die olle, die ihren Packen Druckerpapier nach nem Jahr (und halb verbraucht) zurückgeben wollte, weil in der Mitte ein Blatt ein Eselsohr hatte. Hab ich aber auch schon mal geschrieben..

  6. SPages on

    Immer wieder schön das 14 Tage Rückgaberecht 😉
    Auch schön „da gehen wir halt zum Anwalt“ oder „Mein Brunder/Onkel/Tante/Schwester/Kumpel/… ist Anwalt, der hat gesagt das …!“ (aber sicher eher Anwalt im Verkehrsrecht oder ;))


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