Rotzfrech

Zwei Beispiele frechen Verhaltens, beide gerade erst erlebt. Einem Kunden zeigte ich ein paar Kniffe, wie er sein Notebook etwas flotter und effektiver nutzen konnte. Anschliessend kamen wir noch etwas zum Thema „externe Festplatten“ ins Gespräch. Während ich also so vor mich hin dozierte griff er in meine Brusttasche, nahm sich den dort steckenden Kugelschreiber und verstaute ihn in seiner Jacke. Ähhm? „Entschuldigung, das war jetzt aber mein Stift.“ – „Oh. Aber ich sammle Kugelschreiber!“. Sprachs und ging. Mitten im Satz.

Zweiter Punk : Ein (sehr viel) älteres Ehepaar, laut Aussage der Kollegin im Finanzierungsbüro bei über 80 Jahre alt, plante auf Anraten ihrer in Schweden lebenden Tochter den Kauf eines Computers. Ohne Erfahrungen oder wasauchimmer. Die preiswerten Nettops, die für ihre Ansprüche gereicht hätten (ein wenig Text, ein wenig Internet, Skype) wollten sie nicht, zu billig. Ihnen wurde gesagt, unter 1000 Euro gibts eh nix und das was es gibt reicht nicht mal für Word, was auch immer das sein mag.

Die Frau steuerte ihren Rollator zielsicher auf einen iMac zu und wollte diesen dann auch haben. Pflichtbewusst erzählte ich noch etwas dazu, allerdings merkte ich schon, dass wenig davon bei den Leuten ankam. „Einen PC brauchen wir ja eigentlich nicht. Wir haben ja von Arcor so ein Teil bekommen, das macht ja schon alles!“ und zeigten mir eine Starterbox. „Die macht alles um ins Internet zu kommen, ja. Aber einen PC brauchen sie ja trotzdem. Und da reicht der preiswerte da vo…“ – „Nein, das muss schon was gutes sein. Auch wenn wir das schon alles haben. Das muss was gutes sein. Diesen Äbbäel EiMeck nehmen wir. Sie haben doch bestimmt mal Zeit und den Anzuschliessen und und zu zeigen wie das alles funktioniert.“ . Ich verneinte mit Hinweis auf nicht sehr freundliche Arbeitszeiten und um die seltene Freizeit bettelnde Familie.

„Aber am Samstag da hat jeder frei. Da können sie doch sicher mal vorbeikommen.“

Ich habe sie dann nur leise gefragt, welchen Wochentag wir denn gerade haben. „Hmm. Samstag?“ – „Eben. Und, habe ich frei?“

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10 comments so far

  1. sarah on

    wie frech ist der kugelschreiberklauer denn? gibts ja nich.

  2. StevieMC on

    Kugelschreiber sind immer kaputt oder eben weg. Besonders die mit hohem Metallanteil… absolut oberdreist was dieser spezielle Kunde abgezogen hat. Wahrscheinlich hätter er sogar mit einer höflichen Frage, ob er als Sammler den Kuli haben dürfte, Erfolg gehabt. Hoffentlich war das nur ein „billiger“ Werbekuli, wo im Büro die restlichen 49 Exemplare in der Großpackung warten. BTW, rücken die Außendienstler noch viel Werbekulis raus oder ist das auch eingebrochen?

    Man merke: in Schweden lebende Töchter haben immer recht (Ironie an)und der böse Elektronikfachmarkt kann sowieso nicht beraten… Traurig, aber definitiv falsch!

    Die Arbeitszeiten im EH sind wirklich sehr unschön. Früher war es, egal ob Lebensmittel oder Elektronik, logisch am Samstag um 13:00 die Hütte zu schließen. Wer später kam, hatte eben Pech gehabt und durfte es Montag erneut versuchen. In kleineren Städten und kleineren Inhabergeführten Geschäften ist das auch heute noch so, da der Aufwand nicht lohnt. Viele meinen, durch die verlängerten Öffnungszeiten (bis 20:00, teilw. Do. bis 22:00) würde auch der Personalbestand angeglichen. Das ist definitiv nicht so, eher durch eine vermehrte Anzahl von 400€ Kräften, Praktikanten (die natürlich nicht „übernommen werden“)und Schülern. Ob das den erhofften Mehrumsatz gebracht hat? Mitarbeiter mit und ohne Familie haben eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten und teilw. unmögliche Zweischichtpläne. Dem Kunden ist das egal. Anstatt NACH dem Besuch des Geschäftes ins Schwimmbad zu gehen, geht man eben jetzt ERST zum Schwimmen und dann gemütlich in den EH „Die haben doch sowieso offen..“

    Wie lange dauerte Dein längstes Beratungsgespräch nach Ablauf der offiziellen Öffnungszeit? Mehr als 30 Min ?

  3. computerfuzzi on

    Über die Arbeitszeiten meckert meine Familie auch immer. Als Single gehts ja noch in Ordnung, auch wenn man Samstags nur noch wenig Lust hat, mal auf ne Party zu gehen, wenn man erst um 21 Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen ist (und Freitags verbietet sich das ja eh).

    Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass die längeren Öffnungszeiten eher für Gewinneinbruch in bestimmten Branchen sorgen, als tatsächlich den Umsatz zu steigern. Der Einzelhandel ist gezwungen, den Vorreitern nach und nach hinterherzueilen (zu sehen beim Real neben meiner Arbeitsstelle, dort wurden die Zeiten auf „bis 22 Uhr die Woche über“ geändert, weil ein anderer Markt in der Ecke es eben auch gemacht hat und damit wohl ein paar Kunden abgreifen konnte. Mittlerweile ist eigentlich nirgends mehr was los nach 20.30h ..

    „Mein“ Markt hat gezwungenermaßen auch einmal an einer Testphase teilgenommen, in der bis 22 Uhr geöffnet war. Hat dafür gesorgt, dass teilweise nur noch die Teamleiter der jeweiligen Abteilungen im Laden waren, die Mitarbeiter alle gehen durften. Warum? Weil nach 21 Uhr kein einziger Kunde mehr kam.

    Das längste Beratungsgespräch nach Ladenschluss war tatsächlich ca. 30 Minuten lang. Die Kunden haben sich in aller Ruhe noch Monitore vorführen lassen wollen. Mein Kommentar, dass wir sehr kulant sind, auch wenn sie daheim einen Pixelfehler feststellen sollten wurde mit „Betrüger, macht ihr eh nicht“ abgetan und ein später von mir angemerktes, dass der eine oder andere Pixelfehler kein Garantiefall wären, wir aber eben innerhalb von 14 Tagen tasächlich sehr kulant sind wurde mit „Ich kenne die Gesetzeslage, ich bin Jurist.“ abgetan. Aber noch nie was von „Ladenschluss“ gehört haben, zu diesem Zeitpunkt gabs sowas nämlich noch.

    BTW, Kugelschreiber haben wir IMMER zu wenig. Entweder sind die Aussendienstler weniger großzügig (HP ist eine recht rühmliche Ausnahme) oder es gibt Mitarbeiter, die die Dinger bei ebay versteigern 😉 ..

  4. SPages on

    Also die ältere Dame fällt wohl unter „alltagsgeschäft“. So sind sie halt die lieben Kunden (zum glück nicht alle).

    Dem Kugelschreiberdieb hätte ich schon beim versuch mich anzupacken was gehustet. Wer mich anfassen oder noch mehr darf entscheide ich und niemand anders – Punkt. Irgendwo ist „immer freundlich sein“ mal vorbei.

  5. Ladenblogger|Corey on

    alter falter *sprachlos*

  6. Riffer on

    Dem Kugelschreiber-Dieb hätte ich die Geldbörse gezockt, mit dem Hinweis, dass ich Geld sammle…

  7. computerfuzzi on

    Ich habe zumindest in Gedanken geantwortet (für alles andere ist mir mein Job zu wichtig), dass ich nackte blondinen sammle, er könne mir ja mal seine Tochter vorstellen 😉 ..

  8. Crizzo on

    Bärenstark!

    Der Typ mit dem Kugelschreiber ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. 😀

    Aber die alten Damen sind schon herrlich, nach dem Krieg hat man ja auch nur noch gearbeitet und so…wieso geht das heute nicht mehr… -.-

  9. computerfuzzi on

    Hey, „sie“ waren heute wieder da. Der PC wurde heute geliefert (sie verlangten Anlieferung, weil sie meiner Beschreibung, wo sie den Rechner abholen könnten, nicht folgen konnten : „Aus dem Ausgang raus und dann rechts um die Ecke. Fertig“. „Äh? Wo? Ecke? Rechts?“) und natürlich waren SIE wieder da. Mit der Maus in der Hand : „Wo stecken wir das ein? Was macht man damit? Da ist kein Batteriefach! Wir sind total überfordert!“. Nun gut. „In einen USB-Anschluss, bevorzugt in die Tastatur, die sie ja erfolgreich anschliessen konnten. Den Mauszeiger bewegen. Arbeiten, was sie wollen. Batterien brauch eine kabelgebundene Maus nicht! Lassen sie sich von ihrer Tochter bitte erklären wie das alles funkioniert!“.

    Nichts gegen überforderte alte Leute. Aber wenn ich ein Auto kaufe bekomme ich auch keinen Führerschein umsonst dazu.

  10. thomannfreak on

    Häää

    Was heist hier nicht frei??
    Kannst froh sein das wir dich nach 21 Uhr in unser Haus lassen!


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