Kundschaft aus 1001 Nacht..

Naja, fast. Glücklicherweise hat sich die testweise eingeführte Öffnung bis 22 Uhr so gar nicht rentiert und die Nacht bleibt der Familie statt dem Kunden.

Nachts nicht träumen allerdings möchte ich von meinem Kunden, der kurz nach der Öffnung mit seiner Familie bei den Notebooks stand. Leider sprach er im Gegensatz zu seiner Frau nur sehr schlecht deutsch, daher fragte er auch gleich nach einem türkischsprachigen Kollegen. „Der von neulich!“

Dumm nur, dass es da mehrere zur Auswahl gibt, die anwesenden ihm nicht gefallen haben und er dann trotzdem mit mir vorlieb nehmen musste. Naja.

Jedenfalls wurde er wohl schon „vorberaten“, von eben diesem einen Kollegen, vor einigen Wochen schon. Jetzt allerdings sind seiner Meinung nach die Preise enorm in die Höhe gegangen, das wäre ja alles Betrug, was wir Deutschen uns denn da erlauben würden (ja, das hat er so gesagt).

Ich versuchte ihn zu beruhigen, dass die Preise mitnichten so massiv gestiegen wären, nur ist das Notebook, das er an eben dieser Stelle vor einigen Wochen gesehen hat, mittlerweile leider vergriffen, daher steht da jetzt ein anderes, besser ausgestattetes Modell mit einem höheren Preis. Naja, 20 Euro höher, ist natürlich kriminell. „Sein“ Notebook war ausserdem noch weiß während das aktuelle Gerät schwarz lackiert ist. Aber das kann man ja schnell verwechseln.

Teilweise wirkt er dann auch, als wenn er alles verstanden hätte. Wenn er nicht alle paar Minuten lauthals nach dem Geschäftsführer brüllen würde. „Jaja, haben sie gut erklärt, ist andere Modell, andere Gerät, deshalb teuerer. Gut. Ich will das kaufen. Ist in Ordnung. GESCHÄFTSFÜHRER SPRECHEN! SO EIN BETRUG! Ja, ich will noch diesen Vertrag mit mobile Internet dazu. GESCHÄFTSFÜHRER!“

So ähnlich wirkte die Unterhaltung jedenfalls. Da ich bei den UMTS-Verträgen nicht so wirklich der Vollprofi bin, dazu haben wir andere Leute, habe ich ihn und seine Familie gebeten, sich diesbezüglich doch bitte in der Handyabteilung zu melden wenn sie sich ein Notebook ausgewählt haben. da die Kollegen dort dann auch den UMTS-Vertrag machen und dann die beworbene Gutschrift in Höhe von 400 Euro (2 Jahre Vertragsbindung, viel Geld monatlich, wersbrauchtnajaichbrauchsnicht-vertrag) verrechnen muss der Kunde da eh hin anschließend. „400 Euro? Betrug! Ich will Geschäftsführer sprechen! Türkische Kollege hat gesagt, gibt 500 Euro!“. Ok, ich versuche zu schlichten. Eventuell gibt es tatsächlich einen netten Knebelvertrag, bei dem es 500 Euro Prämie abzustauben gibt. Das werden die Kollegen in der Handyabtei.. „Geschäftsführer! BETRUG!“ – „Entschuldigen sie bitte, mein Mann versteht nicht alles was sie sagen. Der meint das nicht so.“ wirft seine Frau noch ein. „BETRUG!“

Letztendlich  hat seine Frau es geschafft, ihn in die Handyabteilung zu schubsen, unser Geschäftsführer blieb unbehelligt. Der hätte sich auch nur für seine Landsleute geschämt befürchte ich. Allerdings hatte der türkische Kollege aus dem Mobilfunkbereich noch viel Spaß mit dem Herren, türkisch konnte der nämlich offenbar ähnlich schlecht verstehen wenns um Geld ging 😉 ..

Der Teamleiter der weißen Ware ist da auch viel cooler als ich. Als ein Kunde dort einen Mitarbeiter im besten Deutsch darum bat, doch bitte den Teamleiter zu holen, weil dieser ja ein Türke sei und er lieber türkisch sprechen würde, ist der Teamleiter natürlich auch brav, wenngleich kopfschüttelnd, erschienen. Allerdings begrüßte er den Kunden auf Deutsch (da dieser Kunde öfter bei uns einkaufte war bekannt, dass der besser deutsch spricht als viele Nachwuchsdeutsche, zumindest wenn man nach flüchtig belauschten Bus-Unterhaltungen geht). Der Kunde grüßte türkisch zurück. Teamleiter : „Und, wie kann ich ihnen jetzt helfen?“ – „Ich würde gerne türkisch reden“ (auf türkisch) – „Oh, das tut mir leid. Ich verstehe sie leider nicht. Ich bin schon so lange in diesem Land, irgendwie muss ich mich da angepasst haben. Ist bei der Arbeit ja auch unhöflich oder?“

Naja, sie haben das dann auf deutsch beendet, ging gut und problemlos 😉 ..

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10 comments so far

  1. noch ein Markus on

    boah, bei sowas bekomm ich ja ein Hals.
    spätestens beim zweiten Verlangen nach dem Geschäftsführer hätte ich den geholt und mich selbst verabschiedet, bzw falls das so nicht möglich wäre, den Kunden verabschiedet…

  2. computerfuzzi on

    Naja, das Brüllen nach dem Geschäftsführer ist man gewohnt. Ich mag den Menschen auch nicht alle paar Minuten aus seinen Besprechungen rufen, sowas muss man schon alleine regeln können wenns geht. Auch wenns lustig geworden wäre, da unser Chef eben auch ein Landsmann des verständnislosen Herren ist und der Mann erstmal in Erklärungsnot gekommen wäre, warum er denn unsere Ausführungen weder auf deutsch noch auf türkisch versteht.

  3. Matthias on

    Oh Mann, der letzte Teamleiter da ist ein vernünftiger und von mir gern gesehener Mitbürger, aber bei solchen Leuten die (wahrscheinlich noch in der 2. oder 3. Generation) kein Deutsch können, krieg ich wiederum nen Hals.

  4. computerfuzzi on

    Naja.. „können“ und „wollen“ sind da zwei paar Schuhe. Nicht können ist zwar unschön und nicht sozial dem Land gegenüber, in dem man schließlich sein Leben lebt. Aber können und nicht wollen ist absolut asozial und absichtlich ausgrenzend.

  5. StevieMC on

    Mit türkischen Mitbürgern habe ich auch mal eine nette Erfahrung im Service gemacht. Ich schickte für einen ca. 60jährigen Patriarchen ein älteres Tom Tom der 9er Serie (Europa/Kanada/USA drauf)ein. Der Defekt wurde jeweils kurzfristig behoben. Der Türke trabte bei Abholung immer mit seiner kompletten Family an, die für ihn dolmetschen mußte. Angeblich verstand er kein Deutsch… Beim 4. Mal war offentsichtlich die Scheibenhalterung mit Gewalt vom PNA gelöst worden, der Nutzer hatte die Entriegelung nicht betätigt & somit die Kontakte am Gerät teilweise perforiert. Angeblich habe Tom Tom das bei der letzten Reparatur verbockt und er wolle jetzt ein neues Gerät. Damit kam er natürlich nicht durch – Eigenverschulden heißt KEINE Garantie. Mehrmals kam er damit in den Service, zuletzt mit 2 „Kollegen“, die vermitteln sollten. Geschickt, da ich einen von denen als Kunde kannte. Die Situation eskalierte dann und ich bin das erste Mal in einer solchen Situation laut geworden. Normalerweise brülle ich meine Kunden nicht an, aber da hat’s mich gepackt. Mit einmal wurde sein Deutsch besser, je lauter er wurde ;-)Schlußendlich stand der Satz „Ich rufe die Polizei, wenn Sie nicht verschwinden!“ im Raum und irgendwann ist er dann mit dem Rest abgezogen. Damals hätte ich bestimmt auch ein Blog füttern können.
    Generell sind türkische Mitbürger aber OK, auch wenn sie dauernd feilschen wollen und das Wort „Endpreis/Festpreis“ im türkischen nicht zu existieren scheint. Ist eben eine andere Mentalität.
    Ich hoffe, die Öffnungszeiten Deines Marktes bleiben so. 22:00 ist völliger Schwachsinn, wie Du schon gesagt hast.

    • thomas on

      dieser fall passt zu mir 🙂

      Habe vorgestern das erste mal Hausverbot erteilt 🙂

  6. computerfuzzi on

    Mit 22 Uhr war bei uns keiner glücklich. Vor allem nicht der Chef, der zwar zig Mitarbeiter bezahlen musste, dem aber nur gute 250 Euro zusätzliche Einnahmen am Tag gegenüberstellen konnte. Das lohnt einfach nicht und ausserhalb vom Lebensmitteleinzelhandel (selbst da ist es grenzwertig) wird es sich auch oft nie lohnen.

  7. StevieMC on

    Als es diese erweiterten Öffnungszeiten noch nicht gab, ist der Kunde erst zum Einkauf gegangen und dann seiner Freizeitbeschäftigung nachgegangen. Heute ist es umgekehrt: erst ins Schwimmbad, dann in den Elektronikladen („…schließlich haben die ja bis 8 auf!“). In kleineren Städten wird meist bis 18:00 geöffnet, da sich das eben nicht rentiert. Die Gelackmeierten sind leider immer die Mitarbeiter, wobei den meisten ihr Job ja Spaß macht.

  8. yogurt on

    Ich wüßte keinen einzigen Grund, warum ich mich als türkischer Geschäftsführer für die Stupidität „seines Landsmannes“ schämen müßte! Oder schämst Du Dich für die alltäglich groben Verhaltensweisen DEINER Landsmänner? Kommst dann aber aus dem Schämen nicht mehr raus….

  9. computerfuzzi on

    Ja, yogurt, ich schäme mich oft genug für die Dummheit einiger meiner Landsleute. Allen voran allerdings unter anderem für unsere unfähigen Volksvertreter, das ist aber ein anderes Thema. Und mein polnischer Kollege aus der benachbarten Abteilung schämt sich fremd für einige seiner Landsleute. Das passiert und ist absolut legitim.


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