Aufgedreht

Eltern, die mit ihren Kindern bei der Unterhaltungselektronik stöbern, sieht man recht oft. Meistens bestimmen die Eltern, was gekauft wird, manchmal verfügt der Nachwuchs über persönliche Barschaften, die dann hemmungslos verprasst werden können. Gut so, ich hänge an meinem Job 🙂 .

Interessant war aber die Mutter mit ihrem Sohn vor einiger Zeit. Er war vielleicht sieben oder acht Jahre alt, eventuell auch etwas älter, dann aber recht klein geraten. Und er hatte Geld gespart, wollte sich ein Lenkrad für den PC kaufen, dazu interessanterweise den „Euro Truck Simulator“, also offenbar kein Spiel, das Spaß macht. Nun, soll er.

Ich zeigte also die verschiedenen Lenkräder und ging auf Dinge wie Force Feedback, etc. ein. Sohnemann hatte sich offenbar schon festgelegt, ein Modell für fast 80 Euro sollte es sein. Recht hochwertig, viele Funktionen, passt so.

Seine Mutter wirkte skeptisch. „Geht denn nicht auch das kleine für 30 Euro?“ Da begann dann sein Auftritt – „aufgedreht“ passte wirklich gut. „Nein nein nein, das will ich nicht, das willst du auch nicht, das ist ja viel zu billig, du hast doch gehört was der Mann gesagt hat, das andere ist viel toller, ich will nichts billiges, ich will nur das hier, das hier, das hiersonstkeinesichwillkeinanderesniemalsnichtnurdashier, wenn du ein anderes haben willst dann kauf es dir doch, ich kaufe mir das hier, andere sind doof und das hier sieht gut aus!“

Ohne Luft zu holen! Ich war beeindruckt! Nachdem an eine Konversation nicht mehr zu denken war, schob die Mutter ihren Sohn aus der Abteilung (der plapperte unterdessen immer noch vor sich hin und zappelte dabei wie ein Aufziehfrosch) .

Als ich einige Minuten später auf einen Kollegen von mir traf, schaute der mich nur mit großen Augen an : „Hast du den Jungen da eben gesehen? Der rennt durch den Laden wie ein Rennauto und redet und redet und redet. Weißt du, was der will?“ – „Ja, ein Lenkrad.“

Die Mutter kam dann übrigens einige Zeit später alleine noch einmal zu mir und bat mich, das Lenkrad doch bitte bis zum kommenden Tag zurückzulegen. Ihr Mann hat es dann auch tatsächlich abgeholt und bezahlt. Ohne Sohn, der rennt wahrscheinlich im Garten im Kreis. Und ich bin mittlerweile der Meinung, ein rasantes Rennspiel wäre für ihn sicherlich eh das falsche gewesen, so ein Trucksimulator beruhigt bestimmt.

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4 comments so far

  1. cypher on

    Nuja
    generell zu bahaupten das mache keinen Spaß is scho sehr mutig.
    Kenn das Ding nich … Aber Simulatoren haben so ihre eigene Faszination. Wenn ich da so an meine Zeiten mit dem FlightSim denke …
    Und kleine Jungs und große LKW is nunmal auch ne recht klassische Kombination.

  2. Fabian Knopf on

    Schöne Anekdote! Mich wundert nur dass sich der kleine einen Truck Simulator zulegen will – ist die normale Zielgruppe hier nicht 30+ ? 🙂

  3. computerfuzzi on

    @cypher : Naja, ok. Ich ging nur bislang auch immer davon aus, dass diese „da passiert eh nix und man fährt halt ein paar Stunden auf einer grafisch schlecht gestalteten Strasse vor sich hin“ Spiele eher was für ältere „Casual-Gamer“ sind. Aber Flatout2 wollte der Knirps nicht, Race Driver auch nicht. Auch wenn gerade Flatout nun wirklich zu seiner Art gepasst hätte *zwinker* .

    @Fabian : Siehe oben 😉 .. Standardkäufer dieser Simulatoren sind auch bei uns eher die Generation 30+ (wobei, oft eher 35+, vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich selbst zwar schon 30+ aber noch nicht 35+ bin ;)). Lenkräder und Joysticks werden aber auch eher von dieser Zielgruppe mitgenommen.

  4. Fabian Knopf on

    Ausnahmen bestätigen eben immer die Regel 🙂

    Ich hatte „damals“ am Gymnasium auch einen Kumpel der mit Hingabe S-Bahn und Zug Simulatoren gespielt hat.


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