Agressionen

Das kommt davon, wenn man Pause macht. Als ich nach dem Mittagessen wieder zurück in den Verkaufsraum kam, waren (wie so oft) alle Kollegen verschwunden. Bis auf einen, eine Aushilfe. Der arme Mensch ist nur zwei mal die Woche für ein paar Stunden bei uns und war, vollkommen nachvollziehbar, ein wenig überfordert. Zumal es sich gerade etwas füllte und entsprechende Menschenmengen um ihn herumstanden. Normalerweise bedient man in so einem Fall nach bestem Wissen und Gewissen der Reihenfolge des Erscheinens nach (in geordnete Schlangen stellen die Kunden sich ja nicht freiwillig ;)).

Das wollte mein Kollege auch machen, nur waren zwei Herrschaften der festen Überzeugung vor dem jeweils anderen dort gewesen zu sein. Das artete als ich dazu kam auch gerade in einen bösen Streit aus, den mein Kollege zu schlichten nicht mehr in der Lage war.

„Du bleibst mal schön ruhig, ich war vor dir hier und warte schon mindestens eine halbe Stunde, ja!“ meinte Kunde A zu Kunde B.

„Mal schön locker bleiben, duzen darf mich nur mein Vater. Sonst gibts was!“ antwortete Kunde B ausgewählt freundlich.

Der Sicherheitsdienst hatte das wohl auch schon mitbekommen und war gerade auf dem Weg. Glücklicherweise kam ich dazu und konnte mit dem vernichtenden Argument, jetzt wären ja genug Verkäufer da und jede weitere Diskussion hilft sicher nicht, Zeit zu sparen Kunde A aus dem Gedränge ziehen. Sicherheitshalber vom Sicherheitsdienst verfolgt. Mein Kunde versuchte dann noch ein paar mal, mich dazu zu bringen, dem anderen Herren Hausverbot zu erteilen oder wahlweise meinen Kollegen zu kündigen – letztlich hat er aber dann doch nur einen Drucker gekauft. Puh.

Sowas kann (besonders an heissen Tagen, wo die Leute eh latent agressiv in den Laden kommen offenbar) schnell ausarten. Glücklicherweise scheine ich beruhigend zu wirken. Mein Kollege jedenfalls war sehr bleich um die Nase.

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6 comments so far

  1. noch ein Markus on

    beide stehenlassen und den dritten bedienen….

    wobei die Anzahl an Verkäufern bei den meisten grösseren Elektroläden schon echt ärgerlich ist, von der Qualifikation mal gar nicht zu sprechen.

  2. computerfuzzi on

    Stehen lassen geht nicht, dann gibts erst richtig Terror. In solchen Fällen muss man ruhig und freundlich bleiben, erst wenn einer der Beiden wirklich ausfallend geworden wäre hätte der Sicherheitsdienst ihn rausbefördert.

    Aber ja, die Anzahl der Verkäufer ist ein Problem. Das mit der Qualifikation kommt oft mit Sparmaßnahmen. Wir hatten zum Beispiel als der Laden geöffnet wurde einen Teamleiter, einen Assistenten für den Teamleiter und vier Vollzeitmitarbeiter in der Computerabteilung (im Schichtdienst, 10-18 Uhr und 12-20 Uhr jeweils). Das klappte super und es war bis auf überraschend kundenreiche Tage ausreichend. Jetzt haben wir zwar immer noch drei Vollzeitler, davon sind aber zwei Assistenten des Teamleiters und entsprechend oft mit Büroaufgaben ausgelastet. Zusätzlich gibt es noch mehrere Aushilfen, die aber teilweise nur ein bis zweimal die Woche für ein paar Stunden anwesend. Zwei Azubis gibts auch noch. Aber Aushilfen + Azubis ersetzen keinen erfahrenen Vollzeitmitarbeiter, auch wenn das in einer Exceltabelle vielleicht toller aussieht.

    Man muss aber auch zugeben, dass es extrem knifflig ist, gute Verkäufer zu finden. Den Einzelhandel macht aufgrund der skurrilen Öffnungszeiten kaum jemand freiwillig lange mit. Jemand mit entsprechenden Qualifikationen sowieso nicht. Die meisten Leute, die sich in ihren Fachbereichen (in meinem Fall eben die Computer) gut bis sehr gut auskennen, sehen halt nicht ein, warum sie sich für ein erschreckend niedriges Gehalt bei einer 6-Tage-Woche und regelmässiger Sonntagsarbeit abrackern sollen. Dazu kommen Öffnungszeiten zwischen 10 und teilweise 24 Uhr, kaum Chancen auf freie Samstage und ein recht schnell vor die Hunde gehendes Familienleben. Und das wird noch nicht einmal mit gutem Gehalt belohnt, im Vergleich zu anderen Branchen. Warum sollte ein Mensch, der schwierige Sachverhalte ruhig und verständlich erklären kann, sich sehr gut in seinem Fachbereich auskennt, ein kundenfreundliches Äußeres aufweist, sympatisch ist, kaufmännisch rechnen und gut verkaufen kann so etwas freiwillig machen? Ich frage mich das ja auch oft genug.

  3. StevieMC on

    Hmm, eventuell hilft ein Wechsel in ein kleineres PC-Fachgeschäft mit eigenem Ein- und Umbauservice für die Pcs & Notebooks der Kunden. Kundenbindung durch optimalen Service, kleinere Stadt wo sich lange Samstags- bzw Sonntahsöffnungen nicht anbieten. Aber das ist natürlich ziemlich theoretisch, es muß ja dann alles (Gehalt, Arbeitsweg, langfristige Perspektive) passen. Ist halt ein Sprung ins kalte Wasser…

  4. computerfuzzi on

    Kleine PC-Fachgeschäfte gibts doch kaum noch. Ich habe selbst lange genug in einem solchen gearbeitet und weiß, wie schwer diese Läden sich in den meisten Fällen tun, auch nur den Unterhalt für den Besitzer zu erwirtschaften. Was dann den Lohn angeht – braucht man selten drüber reden, in vielen Fällen zahlt die Kette deutlich mehr. Und versuch mal Urlaub zu bekommen in so einem kleinen Laden, vor allem, wenn du neben dem Chef der einzige Mitarbeiter bist 😉 .

  5. StevieMC on

    Ok, war ja nur eine Gedankenspielerei… Logisch, daß bei den großen Ketten personalmäßig alles besser abgefedert werden kann. Und wenn die Kunden in den kleinen PC-Laden mit der Werbung der Ketten reinkommen und „Das Gleiche, aber besser & billiger und sofort zum Mitnehmen!“ fordern hat ein kleinerer Laden (vielleicht) echt Probleme. Die Fläche und das Geld für so viele Produkte wie in den PC-Abt. der Ketten zu haben & zu investiern stelle ich mir schwierig vor. Nehme ich nicht genug Menge ab, fehlen mir die Rahmenkonditionen der Ketten. Die Personalkosten sind ja ein auch nicht zu verachtender Faktor. Aber z.B. AHCT funktioniert doch auch ?
    Wie gesagt: alles reine Gedankenspielerei 😉

  6. noch ein Markus on

    ja, das Geschrei kann ich mich vorstellen wenn du dann die Leute einfach stehen lässt … 🙂

    das problem einen vernünftigen Verkäufer zu finden haben wir allerdings auch im Blumenhandel, auch da gilt 6-Tage und das ist das grösste problem für die meisten.


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