Seltsame Einstellungskriterien

Da darf man einen potentiellen neuen Kollegen einarbeiten, der für zwei Monate im Rahmen eines Praktikums seine Tauglichkeit beweisen soll. Und, was soll man sagen, der Mensch ist freundlich, kompetent, arbeitet zügig nicht nur die zugetragenen Aufgaben ab sondern sucht sich auch selbstständig neue Arbeiten, wenn gerade nichts anderes anliegt. Seine recht umfassende Fachkenntnis kann er, und das findet man leider viel zu selten, auch den Kunden nahebringen und löst im Handumdrehen auch abwegige Probleme – alles perfekt eigentlich. Die zwei Monate gingen verdammt schnell vorbei, ich freundete mich mit dem Menschen an und wir machten ab und an das Nachtleben unsicher – wenns nach mir und irgendwie auch allen anderen Kollegen der Abteilung gehen sollte, wäre der Mensch sofort vom Fleck weg fest eingestellt worden.

Kurz vor dem Ende seines Praktikums fragte dann auch der Teamleiter nach, wie wir anderen denn den neuen Kollegen so sehen und ob wir persönlich ihn einstellen würden. Wie erwartet, jeder war dafür.

Eine Woche später erschien der Mensch allerdings nicht bei der Arbeit und meldete sich nicht auf Kommunikationsversuche. Auf Nachfrage beim Vorgesetzten hieß es dann, er wäre nicht eingestellt worden. Warum? Weil er beim abschließenden Gespräch mit einer Lederjacke aufgetaucht sein soll, das wäre ja sehr unprofessionell. Ah? Mein Einwand, dass er halt kein Auto sondern ein Motorrad fährt und jeden Tag mit besagter Lederjacke erschienen ist – dann aber unter der wärmenden Hülle durchaus anständig gekleidet gewesen ist, perlte an der geballten Personalkompetenz meines Vorgesetzten ab. Lederjacke geht gar nicht, der entsprechenden Person soviel Zeit zu lassen, diese Jacke auszuziehen um sich in entsprechend “professioneller” Kleidung zu präsentieren, ist nicht vorgesehen. Nett.

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14 comments so far

  1. gr3if on

    *grab**grab**grab*

    Ich glaube so fühlt sich das an wenn Monopolisten sich ein Grab schaufeln… Da werden qualifizierte Mitarbeiter gehen gelassen….

  2. Dod on

    Auch wenn ich „Monopolist“ so nicht stehen lassen würde – du glaubst gar nicht, wie schnell dort gute Leute gegangen werden.

  3. Fabian on

    So endstehen Service-Wüsten….weil die guten Kräfte vergrätzt werden…Haben momentan bei uns ein ähnliche Situation: Bei uns (Jugendhilfe)bewerben sich momentan soviele fähige & willige Berufskollegen von einem anderen Träger(von denen wir zum 1.4. den 4.ten einstellen) daß wir uns echt fragen, wie lange es dauert, bis die keine Kollegen mehr haben…Wenn ich als Arbeitgeber meine guten ArbeitsKräfte nicht verstehe zu halten bzw. mir solche so vergraule, muss ich mich nicht wundern, wenn hinterher die Kunden ausbleiben(dich persönlich nehm ich da mal raus…;-) )

  4. computerfuzzi on

    Wenn ich in diesem Falle Chef gewesen wäre, hätte ich den Mann eingestellt. Aber ok, war halt nicht so.

  5. Matthias on

    Unglaublich ! Wenn nicht mehr die Qualifikation zählt, sondern nur noch Poserei und Klamotten ist das schon ein armes Bild.

    Mein Arbeitgeber toleriert meinen etwas eigenwilligen Kleidungsstil und mein oftmals „nicht altersadäquates Verhalten“, weil er meine Leistungen und meine Qualifikation sieht.

    Da hab‘ ich wohl noch richtig Glück gehabt – seit gut 30 Jahren arbeite ich in einem „Bureauberuf“ und besitze weder Krawatte, noch Anzug (habe ich auch noch nie besessen, diese Insignien des Spiessertums) – und es hat mir noch nie zum Nachteil gereicht.

  6. nogger on

    Das ist jetzt nicht wahr, oder?
    Mir als Kunde ist es in dem Bereich doch eigentlich wichtiger, meine Probleme gelöst zu bekommen und nicht, wie derjenige gekleidet ist.
    (Anderes erwarte ich von Versicherungs- und Bankmenschen)
    Naja- soll der Chef mal jemanden Besseres suchen

  7. Donngal on

    Das schlimmste ist ja dass der jetzt für längere zeit für lau gearbeitet hat, und zwar gut. Und dann wegen eine Lapalie nicht eingestellt wird…

  8. pepsodent on

    @nogger:
    Versicherungs- und Bankmenschen müssen also nur gut gekleidet sein, brauchen aber deine Probleme sonst nicht lösen können?

    Mir als Kunde isses in jedem Bereich scheißegal, wie jemand rumläuft, solang ich ordentlich beraten/bedient werde.
    Leider ist das ja kaum noch der Fall. Eben weil immer wieder auf den äußeren Schein geschaut wird. Mittlerweile erwarte ich vom Einzelhandel oder sonstigen „beratenden“ Branchen in dem Stück nix mehr. Die wollen Geld machen. Auf Teufel komm raus. Im Zweifel will dich jeder lieber bescheißen, wenn er damit Geld macht, als ehrlich beraten. Und bescheißen geht mit schickem Outfit eben leichter als mit Lederjacke.

  9. Piperjoe on

    Ich finde selbst wenn er so gut gearbeitet hat muss er dem Chef mit Respekt gegenübertreten gerade im Bewerbungsgespräch. Und dort dann gleich in Lederjacke, vermutlich mit Helm unterm Arm hinzugehen ála ich hab den Job sowie so schon nicht angebracht.

    Es ist übertrieben ihn nicht einzustellen. Ich kann den Chef aber schon ein wenig verstehen.

  10. computerfuzzi on

    Die Lederjacke hatte er fürs Gespräch ausgezogen und am Kleiderständer deponiert, wurde mir zugetragen. Aber ok, mittlerweile wundere ich mich über nichts mehr, vor allem nicht über Personalentscheidungen.

  11. Pieperjoe on

    Okay das ist dann was anderes.

    Das ist wirklich krass.

  12. Nick on

    Über Personalentscheidungen sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen.
    Viele der Chefs sind einfach nicht genug in der Materie oder haben keinen Bock und dann wird die Ablehnung auf irgendwelche Kleinigkeiten geschoben, obwohl der Kandidat großartig gewesen wäre.

  13. Ben on

    *facepalm*

  14. Martin on

    Tja, der Chef ist wohl ein typischer Schlipsträger. Solche Leute sind überflüssig, aber leider wird heutzutage in den großen Firmen nicht nach Qualifikation, sondern nach Anschein eingestellt.

    Mit Respekt hat ein Anzug nichts zu tun. Den Personalverantwortlichen sollte langsam mal in die Birne gehämmert werden, dass sie den bestgeeignetesten und kompetentesten auszusuchen zu haben und nicht den mit der besten Verkleidung. Karneval ist vorbei. Anzug ist nicht nötig, sondern Fachkompetenz.
    Wer das als Personaler nicht kapiert, wird für seine Firma niemals sein Geld wert sein, weil er Leute nach Belanglosigkeiten auswählt.

    Auch ist mir privat egal, was mein Gegenüber für Klamotten trägt, schließlich will ich seine fachliche Qualifikation nutzen und ihn nicht an einem Modelwettbewerb teilnehmen lassen.
    Wenn mein Steuerberater im Hawaii-Hemd rumrennt und meine Bankberaterin meinetwegen im Badeanzug ihren Job erledigt, wen interessiert’s? Davon wird meine Steuererklärung auch nicht anders und meine Bilanzen werden auch nicht anders von der Beraterin gelesen. Ich nehme natürliche Personen wesentlich ernster als diese Schlipsträger, da muss ich immer an Karnevalsverkleidung denken.

    Schade, dass euer Fast-Kollege an Belanglosigkeiten gescheitert ist. Der Markt wird es richten…


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