Bewerbung, gruselige

Vor einiger Zeit habe ich mich mit anderen Menschen über Bewerbungen unterhalten. Interessant war, dass diese Menschen sich nicht vorstellen konnten, in welchem Zustand Bewerbungen mitunter beim Wunschunternehmen abgegeben werden. „Naja, was kann da schon das schlimmste sein. Eselsohr? Kaffeefleck? Ist schon peinlich, ja.“ – es geht schlimmer..

Vor mittlerweile erschreckend vielen Jahren, ich arbeitete als „Mädchen für alles“ und einziger Mitarbeiter neben dem Chef in einem kleinen Computerladen, war ich auch für die Annahme von Bewerbungen und das Leeren des Postkastens zuständig. Ist ja oft die gleiche Aufgabe..

In einem bislang eher unauffälligen Jahr kurz vor der Jahrtausendwende, an einem ansonsten durchaus als gelungen zu bezeichnenden Morgen, angelte ich also zahlreiche Werbeprospekte und ein paar harmlose Briefe aus der Post. Doch halt, da klebt noch etwas! In eine Ecke des Postkastens geknüllt klebte dort ein abgerissener DIN A5-Zettel mit etwas Kaugummi. Diese Zettel, an denen noch Reste der Ringbuch-Abrisse flattern, mehrfach geknüllt und offenbar in einer engen Hosentasche mit anderen Dingen transportiert. Der Geruch war schwach vertraut würzig, nach in Deutschland illegalen Kräutern duftete das Papier.

Darauf stand in krakeliger Schrift:

Hallo brauche job. kan gut mit computans und so technikzeug. will ausbildung machen, ruf ma an, handy hab ich neu. (telefonnummer)

Das wars. Dachte ich.

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne die besorgte Mama gemacht. Diese stand nämlich ein paar Wochen später im Laden und keifte mich vor versammelter Kundschaft laut an, dass ich ein ganz ganz böser Mensch bin. Da würde sich ihr Sohn SO viel Mühe geben alle Unternehmen in der Umgebung quasi auf den Knien um eine Ausbildungsstelle anzubetteln, da macht der Filius Bewerbungskurse und bekommt viel Geld für teure Mappen und Fotos und trotzdem antwortet NIEMAND von uns arroganten Einzelhandels-Arschlöchern. Kannjanichtseinsowas. Wenigstens die teuren Unterlagen hätte ich ja zurücksenden können, das wäre ja das mindeste!

Glücklicherweise habe ich mich seinerzeit so stark über die „Bewerbung“ amüsiert, dass ich sie aufgehoben habe und der aufgebrachten Mutter zeigen konnte. Jetzt hatte sie zwar „die teuren Unterlagen“ zurück, sonderlich glücklich wirkte sie jetzt aber auch wieder nicht. Wie mans macht, es ist falsch. Und Junior musste sich fortan das Geld für sein Gras wohl anders besorgen.

Wie sind eure Erfahrungen – habt ihr schon einmal so eine Bewerbung gesehen oder gar abgegeben? 😉

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