Verkäufer aus einem anderen Blickwinkel

Nach sehr vielen Jahren als Computerfuzzi in diversen Läden von klein bis gigantisch bleibt der Blick beim Einkaufen ein anderer. Ein Verkäuferblick könnte man sagen – man sieht den Ladenaufbau anders als früher, man beurteilt die Verkäufer automatisch. Also ich zumindest, keine Ahnung ob ich da nur eine Spartenmeinung verallgemeinere 😉 . Apropos: Kennen die mitlesenden Verkäufer das Problem, dass sie auch in „fremden“ Läden immer für einen Verkäufer gehalten werden?

Ok, abgeschweift. Vor einiger Zeit begab es sich, dass in meiner Nähe ein neuer Elektronik-Tempel eröffnen sollte. Da ich zwar viele Neueröffnungen als Verkäufer mitgemacht habe aber bis dato keine einzige als Kunde, wollte ich mir das Gewimmel dann doch einmal antun. Die Werbung klang toll, die Preise waren nett und der neue Laden muss ja auf Tauglichkeit abgecheckt werden 🙂 .

In der Computerabteilung angekommen, ich schaute nach dem offerierten Festplattenschnäppchen, bot sich das altbekannte Bild: Die anwesenden Verkäufer waren von großen Trauben informationssuchender Kunden umhüllt. Ich stellte mich vorsichtig daneben und lauschte etwas.

„Wenn ihr Sohn eine Grafikkarte zum Spielen sucht, dann MUSS er diese hier nehmen. Sehen sie, die hat ganz furchtbar viel Speicher und nicht einmal einen Lüfter. Und sie ist ganz klein, die passt überall rein. Und hier auf der Rückseite steht, dass da Spiele mit funktionieren.“

Uh, Positionswechsel.

„Nein, für einen 16-Megabit-DSL-Anschluss reicht ihre 10/100-Netzwerkkarte nicht mehr, da brauchen sie mindestens eine mit 1000. Die gibts aber nicht einzeln zu kaufen, sind ja hochkomplexe Serverkarten. Aber hier, dieser neue PC, der hat sowas eingebaut..“

Ahhh nee, Positionswechsel.

„Toiletten haben wir, aber die sind noch nicht fertig, kommen sie doch in der nächsten Woche noch einmal wieder. Wir Mitarbeiter gehen auch bei McDonalds nebenan pinkeln“

Neee, zu viele Informationen.

Am Ende war mir langweilig weil die Festplatten schon ausverkauft waren. Hab mich dann in den Gang mit der Netzwerkhardware gestellt und ein paar Leute beraten. Die haben mich alle für einen Verkäufer dort gehalten, trotz Metallica-T-Shirt und kurzer Hose.. Und ich hätte dem Teamleiter der Abteilung gerne ein paar Tipps gegeben, dass man seinen Mitarbeitern zumindest grundlegende Produktkenntnisse vermitteln sollte.

Advertisements

7 comments so far

  1. ladenblogger on

    nich zu fassen! 😀

    und dassi in anderen läden für n verkäufer gehalten werde, is mir noch nie passiert. das passiert mir ja selbst am arbeitsplatz nicht immer… ^^

  2. noch ein Markus on

    wegen solchen Verkäufern gehe ich, falls bei einem Teil Beratung benötige, nicht in den ortsansässigen großen Elektro-Tempel, sondern in einen kleineren Laden, der zwar auch einer Kette angehört, aber Menschen beschäftigt die nicht nur Verkäufer sind, sondern die auch noch beraten können. wie nennt man die eigentlich?

    allerdings lasse ich mich da nicht nur beraten, sondern kaufe das im Normalfall dann da auch, meist zum gleichen Preis oder sogar günstiger wie in den großen Glittertempeln. 🙂

    • Das Verkäuferchen on

      In den Tempeln arbeiten Verkäufer, Leute wie ich sind Berater 🙂

      Zwar gibt es auch in dem Laden in dem ich arbeite Verkäufer, und mir stehen die Haare zu Berge, wen ich manchmal höre, was alles als Argument genutzt wird um zum Abschluss zu kommen.

      Bedarf ermitteln und den Wünschen der Kunden entgegen kommen, so muss das sein.

      Wenn ich mal bei den Mitbewerbern bin, dann sind auch bei mir die Sinne des Verkäufers aktiv.

      • noch ein Markus on

        ja, so geht das da und so soll das auch sein.
        aber bei den großen Ketten nicht machbar denke ich mir, allein weil die Verkäufer wahrscheinlich auch auf Provisionsbasis arbeiten, oder?
        in dem Fall ist da natürlich keine Zeit für Beratung …

  3. computerfuzzi on

    @noch ein Markus: Zumindest bei den beiden größten der Elektrotempel gibts für Verkäufer keine Provisionen sondern nur ein mageres Festgehalt. Und es ist auch nicht immer ein Zeitproblem oder eines des „will nicht“ sondern viel zu oft ein „kann nicht und hab daher Schiss vorm Kunden“. Naja, von den Fällen, in denen ein übermotivierter Teamleiter im Büro Solitär spielt und die Mitarbeiter gefälligst die gesamte Abteilung umbauen dürfen („Wenn das nicht bis 20 Uhr fertig ist bleiben sie hier und arbeiten bis zum bitteren Ende!“) – da gibts dann von Oben gerne Ärger wenn man den Fehler macht, Kunden bedienen zu wollen. Wurde schon als Faulpelz bezeichnet weil ich wartenden Kunden geholfen habe.. Das ist selbst für Vorgesetzte offenbar keine echte Arbeit, echt ist nur, wenn der Schweiß fließt oder so.

  4. Das Verkäuferchen on

    „Wir“ sind eine kleine, regionale Kette. Allerdings wurden bei uns die oberen noch, das ein gut beratener Kunde gerne wiederkommt und somit mehr Umsatz generiert. Sprich, steht ein suchend im Gang und Chef sieht, das auch keiner rührt, was bei einigen Kollegen leidet oft genug der Fall ist, gibt es auf den Deckel. „Der Papprolli kann warten, der Kunde hat Vorrang.“

    Von der Warte aus lobe ich mir meinen Arbeitsplatz. Was nicht heißt, das man uns als Personal so behandelt, wie wir es vertrieben. Allerdings ist unser Gehalt, sollte man nach der Ausbildung tatsächlich übernommen werden, hier als Branchen-üblich. Aber keine Provision, das gibt es bei uns nicht, was ich gut finde. Wenn das Gehalt zu stark/direkt am generieren Umsatz gekoppelt wird, werden die Berater nur unehrlicher.

    • computerfuzzi on

      Ja, das mit dem „unehrlicher“ sieht man ab und an bei den Mobilfunk-Geiern..


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: