Nervensäge der Woche: Samsung Exynos „Octa-Core“

Spätestens seit der Gigahertz-Schlacht zwischen AMD und Intel, seit Aldi-Werbeprospekten mit „Terabyte-Power und Gigahertz-Überlegenheit“ (für ganz normale Office-PCs), ist klar: Hohe Zahlen verkaufen sich klasse. Muss ja nix dahinterstecken, die potentiellen Kunden sind eh zu blöde um den Beschiss zu kapieren.

Einsteiger-Grafikkarten für Office-Rechner mit 4 Gigabyte VRAM? Geil, gekauft, muss ja viel besser sein als das gleichteure Modell mit besserer GPU aber nur halb so viel RAM. Prozessoren mit 4 Gigahertz – kaufen kaufen kaufen!Und wenns von VIA ist, kaufen!

Samsung hat das alles gut beobachtet und zum Leitspruch gemacht. Verarscht den Käufer. Umso leichter, wenn man groß und populär genug ist, um Fanboys zu haben, die eh jeden Scheiss mitmachen. Es ist nicht immer Apple, lasst euch das gesagt sein 😉 . Bestes Beispiel: Der Exynos 5420, ein „Octa-Core-SoC“ für Smartphones und Tablets wie er aktuell im Galaxy TabPro und NotePro sowie im Galaxy Tab S eingesetzt wird. Acht Rechenkerne, eieiei, das klingt toll, das muss schnell sein, das muss man haben! Und vor allem: Das setzt sich von der ganzen mittelmäßigen Konkurrenz mit ihren popeligen Quadcores ab. Juhu!  Nun ist es allerdings so, dass der 5420 mitnichten acht identische Rechenkerne nutzt. Eigentlich sind es 2×4 – Vier der Recheneinheiten entsprechen den flotten ARM Cortex A15-Kernen und takten mit 1,9 Gigahertz, die vier restlichen sind ARM A7-Kerne mit 1,3 Gigahertz. Generell ist diese Anordnung pfiffig. Bei Last arbeiten die stromhungrigen A15-Kerne, bei weniger anspruchsvollen Arbeiten übernehmen die vier stromsparenden A7-Kerne. Und als Clou sollen die acht Kerne bei Samsung auf Wunsch sogar alle zusammen an bestimmten Berechnungen ackern dürfen. Das wäre toll – wäre, würde sich denn ein Geschwindigkeitsvorteil durch diese Bauweise ergeben. Dem ist leider nicht der Fall, was darauf hinweisen dürfte, dass Android noch nicht wirklich reif für Achtkerner sein dürfte. Und vor dem Release des kommenden Android L dürfte sich daran auch nur wenig ändern. Ob allerdings die aktuell mit dem Exynos 5420 ausgestatteten Geräte überhaupt jemals ein Update auf Android L bekommen, steht noch in den Sternen. Samsung hat sich in den letzten Jahren als extrem widerwillig bei Android-Updates erwiesen, so dass die Chancen auf platte Ausreden deutlich höher stehen als die auf ein Update. Was bleibt ist ein SoC mit vier flotten Kernen und einem praktischen Energiesparmodus. Bevor sich also jemand nur für die acht Kerne ein Samsung Galaxy Alpha kaufen will – lasst es. Vor allem auch, weil ich einen weiteren extrem störenden Schwachpunkt des Exynos 5 noch gar nicht erwähnt habe: Der Mali-GPU geht sehr schnell die Puste aus. Im Galaxy Tab S zeigt sich das aufgrund der hohen Auflösung besonders schnell: komplexe Spiele laufen nicht so recht flüssig, Benchmarks attestieren bestenfalls durchschnittliche Noten. Qualcomm hat mit dem Snapdragon und den dazugehörigen Adreno-GPUs deutlich die Nase vorn – und AMD dürfte sich jeden Tag etwas mehr ärgern, dass sie die Grafiksparte für Smartphone-GPUs vor einigen Jahren zum Schnäppchenpreis an Qualcomm abgegeben haben (Adreno ist ein Annagramm von Radeon..).

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2 comments so far

  1. Das Verkäuferchen on

    Eyeyey, der Leistungswahn. Einer meiner Parade-Disziplinen! Einst bei Computern, inzwischen bei Smartphones und Tablets. Die ausschlaggebenden Argumente hast du ja bereits erwähnt. Nicht angepasste Software mit daraus resultierenden Wegfall der theoretischen Nennleistung. Hinzu kommt, dass der Kunde die nicht nutzbare Leistung ja dennoch zahlen muss.

    Und auch der Update-Troll, der bei Samsung und Konsorten eine Festeinstellung genießt.. Ja jaa.

    Es liegt an uns, den Konsumenten zu konditionieren und in ihm die Frage zu wecken „Brauche ich wirklich so viel Leistung?“ Dass es funktioniert zeigen derzeit das Lumia 630/635 und der neue Stern am Android-Himmel, Wiko. Wobei auch die Franzosen noch beweisen müssen, was Updates betrifft.

    Wirklich gefreut hat mich aber diesmal, etwas neues gelernt zu habt. Und sei es, dass Adreno ein Anagramm zu Radeon ist. Das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!

    Es ist echt toll, dass du zurück bist 🙂

    • computerfuzzi on

      Danke 🙂 . Tut auch immer wieder gut, mal Dinge aufzuschreiben, die in der täglichen Routine nicht reinpassen. Oder die der verantwortliche Redakteur aus diversen Gründen immer rausstreicht 😉 .

      Apropos Wiko: Die sind zwar preiswert aber trotzdem auf dem Leistungswahl-Zug aufgesprungen. Wiko Highway, das Octacore-Smartphone.. Immerhin für nur 299 Euro.


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