„Echte Gamer“ hassen billig

Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, ob ich nicht bei PC-Zusammenstellungen helfen kann. Klar – ich kann die Dinger auch zusammenbauen, mache ich aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr. Wer sich einen PC zusammenstellt (also aus einzelnen Teilen) anstatt einen Komplettrechner zu kaufen, ist zumindest in meinem Umfeld meistens Gamer und will den Rechner entsprechend zum Spielen kaufen und nicht nur für dröge Büroarbeiten. Da gibts dann vor allem in PC-Foren immer wieder tolle Glaubenskriege.

Wenn mir jemand sagt, er kann maximal 500 Euro investieren, dann bau ich ihm einen PC für maximal 500 Euro. In Foren kommt dann aber schnell ein „dafür bekommst du ja nix“ oder „damit ruckelt sogar Office, lass das“ und ganz oft „da musst du schon 1400 Euro mindestens ausgeben, sonst kannst du damit gar nichts zocken.“

Was soll man sagen außer „Unsinn“? Sicher laufen einige Spiele auf einem sinnvoll zusammengestellten 1400-Euro-PC schneller und in höheren Detailstufen als auf einem Einstiegsrechner für 500 Euro oder weniger. Aber: Auch der kleine PC packt die meisten aktuellen Spiele in 1920×1080 Bildpunkten und mit mittleren bis ganz hohen Details. Auch wenn das die Schreihälse in den Foren nicht glauben wollen (man merkt auch, dass sie noch absolut keine Erfahrungen damit haben).

Ein wenig schuld ist sicher auch mein Berufsstand – in PC-Zeitschriften und auf Seiten wie Computerbase, Gamestar, Hardwareluxx und PCGH wird bevorzugt schnelle und prestigeträchtige Hardware getestet. Angesichts der dort gezeigten Tabellen mag man sicher glauben, dass eine Grafikkarte 500 Euro kosten MUSS, damit da ein Spiel mit läuft. Das ist aber Humbug. Der Grund für die Vernarrtheit in schnelle Hardware ist nur, dass sich die meisten Leute halt für diese Topprodukte interessieren und nicht für Mittelklassehardware. Klicks sind bares Geld..

Was ich sagen will – lasst euch nicht verunsichern. Ich habe einem Bekannten vor einigen Monaten eine Zusammenstellung für 500 Euro gebastelt und er ist damit extrem glücklich – auch wenn nicht die allerneusten und schnellsten Komponenten verbaut sind. Der Leistungsunterschied in der Oberklasse ist angesichts der gravierenden Preisunterschiede eh oft zu vernachlässigen. Da kann man 200 Euro mehr für eine CPU ausgeben, die im Endeffekt für 5% mehr Leistung sorgt.

Gerade auf dem CPU-Markt hat sich in den letzten 4-5 Jahren nur recht wenig getan. Für Gamer reicht theoretisch ein Sandy-Bridge-Prozessor von Intel (oder, wenns neu sein soll und nicht viel kosten darf, ein FX-6300 von AMD, auch wenn der für 5 Euro mehr Strom im Jahr schluckt). Grafikkarten gabs auch schon lange keine wirklich neuen mehr – von Nvidias GTX 750 TI einmal abgesehen. Und die kostet nur 120 Euro und gehört der „größtenteils FullHD-tauglichen“ Fraktion an. Gebrauchtrechner aber auch neue PCs mit einer halbwegs aktuellen Karte und einem der oben genannten Prozessoren sind daher nicht mehr unbedingt teuer.

Wer also vorhat, neu (oder nach einer Pause wieder) mit dem PC-Gaming anzufangen, kann das für erfreulich wenig Geld bewerkstelligen. Nur nicht verunsichern lassen, wenn der nette Verkäufer seinen Rechner über den grünen Klee lobt. Selbst potente Intel-Prozessoren müssen keine 1000 Euro mehr kosten, auch wenn das immer gerne so kommuniziert wird. Und: Vor allem Grafikkarten fallen trotz allem schnell im Preis. So gibt es eine einst recht gute GTX 560 mittlerweile fast nachgeworfen. Auch SSDs sind nicht mehr so teuer wie vor Jahren, 50 Euro kosten 128 Gigabyte nur noch.

Schlecht für Weiterverkäufer, gut für Käufer – aber ich diskutiere gerne mit euch, wenn ihr der Meinung seit, ein 500-Euro-Neurechner wäre absolut untauglich für aktuelle Spiele. Sehr gerne sogar 🙂 .

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7 comments so far

  1. Das Verkäuferchen on

    Du hast schon recht, wenn es um Tower geht. Mein Phenom II X4 965BE + die GTX460 GLH laufen auch noch Klasse. Zwar gibt es hier und da ein paar Ruckler, aber er macht all das mit, was ich ihm abverlange.. Außer Minecraft mit 80+ Mods, Grafikpatches er. ⌒.⌒

    Allerdings, wenn Kunde XY nach einem PC verlangt, der auch in 3-5Jahr High-End Daddeln erlaubt, verweise ich eher Richtung 800€+

    Ganz anders ist es bei Notebooks. Wenn da ein Kunde längerfristig Spielegenuss haben möchte, rate ich zu Schenker oder Alienware (Können wir nicht verkaufen). Bei den Office- & Multimedia Notebooks die wir i.d.R. anbieten können, ist der Hitzetot binnen zwei Jahre nahezu garantiert, zumal sich diese Geräteklasse schlechter warten lässt, als oben genannte.

    • computerfuzzi on

      Wobei „für die Zukunft kaufen“ beim PC ja auch nur bedingt möglich ist. Dann doch ein Basissystem mit brauchbarer CPU (da tut sich mangels Konkurrenz ja wenig) und der Option, wenns eng wird einfach die Grafikkarte zu tauschen. Da könnte sogar ein 500-600 Euro-Rechner wieder reichen. Oft ist es ja sogar sinnvoll für Käufer mit wenig Geld erst einmal mit der Basiskonfig auszukommen. Ich kenne das hibbelige Gefühl wenn man als Jugendlicher eigentlich genug zusammengespart hat, aber alle auf einen einreden, doch noch ein halbes Jahr weiterzusparen weils dann was tolleres zu kaufen gibt 😉 .

      Als Verkäufer habe ich das Thema natürlich oft auch etwas anders gesehen 😉 . Allerdings habe ich auch viele Kunden weggeschickt wenn sie Gamingrechner zu guten Preisen haben wollten, einfach weil wir nichts gutes im Sortiment hatten. Cheffe hätte zwar gerne den 2000-Euro-Erazer-Rechner an den Kunden gebracht, das hätte ich mit meinem Gewissen aber nicht vereinbaren können 😉 . Siehe auch die früheren Einträge über die Mängel bei den Acer-Gamingssystemen die von der Gamestar beworben wurden.

  2. Björn on

    Ich schätze die Leute die in den Foren behaupten das es für 500 Euro nicht geht, gehören zur Fraktion „Zeig mir was mit weniger als 60 Frames und ich finde das unspielbar ruckelnd“ wobei 1920×1080 mit höchsten Details, Tesselation und Physx natürlich Pflicht sind, darunter sieht es nur scheiße aus.
    Ich habe vor einiger Zeit (viele Jahre) sogar GTA 3 gezwungenermaßen mit einem integrierten Grafikchip gespielt, klar hatte ich teilweise nur 15 Frames aber es hat mir trotzdem Spaß gemacht.

  3. computerfuzzi on

    Klar, FullHD oder mehr mit minimal 60 FPS ist mit einem preiswerten PC natürlich nur schwer machbar. Wobei Tetris ja entgegen der gängigen Forenmeinung sogar so flott laufen dürfte, selbst mit Intel-GPU 😉 .

  4. Das Verkäuferchen on

    Ich schicke Kunden auch oft genug weg, siehe oben.

    Wobei ich letzte Weihnachten einer Kollegin für ihren Sohn einen PC raussuchen sollte, der definitiv, zu 100% und auf jede Fall Minecraft mit Mods aushält.

    Ihr erst einmal zu erklären, worin in diesem Unterfangen das Problem liegt, was schon eine Tortur.

    Und das ganze sollte mit Monitor, Maus, Tastatur und Headset/Lautsprecher nicht mehr als 400€ kosten.

    Ansonsten sehe ich es wie du. Erst einmal eine gute Basis und dann bei Bedarf aufrüsten. Es ist ohnehin immer etwas kritisch Hardware auf Revision 0 zu kaufen, das haben uns ja PS4 & Xbox One gezeigt. Fehler ohne Ende. Das ist was für Leute mit zu viel Geld.

    Und was Computer von der Stange anbelangt, stehe ich den Netzteilen etwas kritisch gegenüber, hierbei sollte man nicht sparen. Und meist kommen die Teile im Mini Tower daher, was der Wärmeentwicklung nicht sehr zuträglich ist. Pi*Daumen sollte man ca. 150-200€ für diese beiden Komponenten einkalkulieren, dann entsteht da nicht so schnell Aufrüst-Bedarf. Die restlichen 300-400€ kann man dann sehr gut in die restliche Hardware packen. Das und etwas Bastel-Geschick und man kommt günstig an einen doch recht potenten Basis-Gamer PC.

    Ich werde GTA V für PC mal abwarten und entscheide dann, ob ich aufrüsten. GTA IV war der letzte Grund zum Aufrüsten ⌒.⌒

    • computerfuzzi on

      Ich habe mich beim letzten Umrüsten gegen Hardwarewahn entschieden. Die GTX 460 musste raus, da sie Zicken gemacht hat. Zuerst wollte ich eine 280(X) kaufen, alternativ eine GTX760. Bin dann in mich gegangen und habe festgestellt: Du spielst zu selten um den Mehrpreis zu rechtfertigen. Damit ist es eine GTX 750 Ti geworden, eine grandiose Grafikkarte für wenig Geld. Und siehe da, sogar Watchdogs läuft damit einwandfrei auf mittleren/hohen Details (mit „Mod“ eher auf hohen als ohne) flüssig. Keine 1600p-60FPS-flüssig aber spielbar. Und dabei braucht die Karte unter Last weniger Strom als die olle 460 im Idle-Mehrschirmbetrieb 😉 .

  5. Das Verkäuferchen on

    Ach, fast vergessen. GTA SA hatte ich auf einem Netbook von HP, Baujahr 2011/2012 ruckelfrei auf 30FPS spielen können, so wie CS1.6

    Intel Atom FTW!

    Denn was genauso wichtig ist, wie das System selbst, ist die Wartung selbigen.


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