Krise bei der Bank

Ich bin ja schon seit geraumer Zeit eher so der Typ „Onlinebanking“. Das Betreten von Filialen mochte ich noch nie, bestenfalls ist mal ein Besuch am Geldautomaten drin. Heute allerdings ließ es sich nicht vermeiden. Meine Mutter ist immer noch im Krankenhaus und wird noch einige Zeit auf Hilfe angewiesen sein. Das schließt auch Bankgeschäfte mit ein, für die ich mir eine Vollmacht holen musste. 

So einfach, wie es bei der Bank am Telefon klang, war es dann vor Ort auf einmal nicht mehr. Da mussten plötzlich Formulare erstellt werden, von denen niemand wusste, dass es sie in dieser Komplexität überhaupt gibt. Ach ja „Ihre Mutter wird dann auch herkommen müssen um eine Unterschrift zu leisten“. 

Eh? Klar, ich rolle sie von der Intensivstation in die Filiale, damit sie dort  von allen Seiten gemustert werden kann – es könnte sich ja um ein Double handeln. Unterschrift? Reicht nicht, könnte man fälschen. Kein Wunder, dass diese Banken dauernd gerettet werden müssen. Auch wenn ich heute kurz davor war zu sagen: „Die sind nicht mehr zu retten“. 

Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet aber jetzt reichte es, dass sie meinen Personalausweis zu einem halbstündigen Stelldichein in ein Nebenzimmer entführt und mich zur Unterschrift zahlreicher Formulare genötigt haben. Meine Mutter und mein Vater müssen jetzt auch noch unterschreiben. Ich habe mir die Frage verkniffen, ob ich eine Blut- oder besser Urinprobe mitbringen soll beim nächsten mal. Bin ich froh, bei dieser Bank schon seit gut 20 Jahren nicht mehr Kunde zu sein – auch wenn sie es dort mit der Sicherheit ja offenbar sehr sehr ernst nehmen. „Unkompliziert“ geht trotzdem anders. 

Und wie ich dann dort in einer stillen Ecke in einem Bausparmagazin blätterte, immerhin musste ich ja auf meinen Ausweis und die junge Bankangestellte mit den Formularbergen warten, kam ich nicht umhin, die Auswüchse seniler Paranoia zu beobachten. Am Schalter unweit meines Ruheplatzes stand eine ältere Dame und verlangte lautstark, dass dieser und jeder Posten fortan soundso geändert werden muss. Ohne Begrüßung, Namensnennung, sonstwas, hingerauscht, angepflaumt und Service von der Bank verlangt.

„Aber natürlich, wie lautet denn ihre Kontonummer?“ – die Bankangestellte war nett, deeskalierend und zuvorkommend, 1+ mit Sternchen!

„Meine Kontonummer kennt ihre Kollegin, bei der habe ich vor 30 Jahren ja das Konto angelegt! Ich sage doch nicht jedem dahergelaufenen Menschen meine Kontonummer!“

„Aber ich benötige die Kontonummer oder eine Bankkarte damit ich ihnen helfen kann. Es könnte auch nicht schaden, wenn sie mir ihren Namen nennen…“

„Meinen Namen auch noch? Neeneneee, ich sehe Fernsehen junge Frau, da wird IMMER davor gewarnt, seine Bankdaten zu verraten. Neeneeeeneee, soweit kommt das noch. Und mein Name hat sie auch nicht zu interessieren. Was ist denn das für ein Service hier?“

Sprachs und rausche wutentbrannt von dannen. Liebe TV-Journalisten, schaut was ihr angerichtet habt mit eurer dauernden Panikmache. Paranoia im ganzen Lande.

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