Nokia 130 – Einsteiger-Phone im (Kurz-) Test

Als Nokia vor einigen Monaten per Pressemitteilung verlauten ließ, mit dem 130 ein neues Einsteiger-Mobiltelefon mit eingeschränktem Funktionsumfang aber eben auch einem sehr niedrigen Preis auf den Markt zu bringen, waren die Technik-Webseiten voll der News und die Kommentarspalten voll des Lobes. Jetzt ist das Nokia 130 tatsächlich erschienen, der angekündigte Preis von 29 Euro wird mit knapp 27 Euro sogar noch unterboten, und was passiert? Es finden sich kaum Tests, nicht einmal kurze Produktbesprechungen abseits der Shoppingportale. Skurril. Auch mir wollte niemand einen Test zum 130 abkaufen, „so billige Dinger, das interessiert doch keinen. Wir wollen nur Highend in der Berichterstattung“. Ok, dann halt nicht. Da hier in den Kommentaren aber bereits nachgefragt wurde, nutze ich den Blog, um wenigstens ein paar Worte zu meinen Erfahrungen mit dem Nokia 130 in die Welt zu tippen.

Telefonieren? Check!

Beginnen wir doch einmal mit den Versprechungen des Herstellers: Das 130 sollte ein Featurephone zum Niedrigpreis werden. 29 Euro UVP, lange Laufzeit, Dual-SIM, Musik- und Videoplayer, fertig. Siehe da, Nokia hat die Versprechen soweit gehalten. Bei Amazon gibt es das Telefon schon ab 26,99 Euro, allerdings scheint der aktuellen Charge das auf der Verpackung beworbene Einfach-Headset (wird auch für die Radio-Funktion benötigt) zu fehlen. Bei der Nutzung mit anderen Headsets zeigt sich das 130 etwas zickig, sonderlich berauschend ist die Klangqualität per 3,5mm-Klinke nicht. Bisher ist es mir auch nicht gelungen, ein Bluetooth-Headset zu koppeln. Das mag an Nokia liegen oder daran, dass ich mit Bluetooth schon immer auf Kriegsfuß stand – Kundenrezensionen sprechen aber eher für ein Nokia-Problem. Ohne Headset lässt es sich aber auch telefonieren und das sogar mit recht guter Sprachqualität. Nicht glasklar aber ausreichend. Auch das Umschalten zwischen zwei SIM-Karten funktioniert vorbildlich. Sehr angenehm ist übrigens auch die Geschwindigkeit bei der Nutzung des Menüs. Viele günstige Geräte lahmen hier ja gerne einmal.

Akkulaufzeit? Check!

Immer wenn ich ein Smartphone teste und es zum Punkt „Akkulaufzeit“ kommt, wird es haarig. Einige moderne Geräte halten selbst ohne großartige Nutzung nur knapp einen Tag, wehe wenn damit dann auch noch Filme geschaut werden oder das Telefon gar zum Telefonieren genutzt werden soll. Das Nokia 130 hingegen muss weder einen hochgezüchteten Quadcore-Prozessor noch viel RAM, HD-Displays mit zig-Zoll-Diagonalen oder sonstigen Schnickschnack mit Strom versorgen. Kein LTE-Modem, keine 3G-Funktionen für schnelles Internet, nichts. Und siehe da, schon klappts auch mit dem Akku: Zwei Wochen ohne Aufladen funktioniert beim 130 selbst wenn es zwischendurch zum Telefonieren genutzt wird. Eine Woche, wenn es ab und zu als Musikplayer, Wecker oder Videoplayer genutzt wird. Der Hersteller gibt eine maximale Sprechzeit von 13 Stunden an. Da ich ungern so lange mit dem Handy am Stück telefoniere, habe ich diese Aussage einmal nicht nachgeprüft. Reine Musikwiedergabe ist jedenfalls deutlich länger als 32 Stunden am Stück möglich.

Musikplayer, Wecker, Filmabspielgerät? Check, größtenteils..

Als Musikplayer lässt sich das Gerät problemlos nutzen, auch wenn die Navigation in größeren Musiksammlungen etwas sehr fummelig ausfällt. Ein wabbeliges Steuerkreuz mit Bestätigungstaste in der Mitte ist halt doch ein wenig „1990er“. MP3-Dateien können auch auf einer SD-Karte liegen, diese darf maximal 32 Gigabyte groß sein. Verwirrend: Per Micro-USB an den PC angeschlossen, ist zwar der interne Speicher des Telefons sichtbar, nicht aber der der Micro-SD-Karte. Um hier Daten auszutauschen, muss also erst die Speicherkarte entfernt werden. Diese findet übrigens im Inneren Platz, so dass immer erst die Rückseite abgebaut werden muss. Unnötig umständlich. Das 130 versucht Musik automatisch auf dem Speichermedium zu finden, scheitert dabei aber ebenso wie bei Videos grandios. Mit der manuellen Suche klappt es dann aber doch noch. Exotische Formate (also, eh, alles abseits von MP3 bei Musik und DiVX-AVI bei Videos) spielt das Telefon allerdings nicht ab. Gerade bei Videos ist es sehr eigen und akzeptiert nur sehr wenige Dateien anstandslos. Das ist aber nicht so schlimm, auf einem Display mit 1,8 Zoll und extrem fieser Blickwinkelabhängigkeit bringen Videos eh keinen wirklichen Spaß. Als Wecker macht das Handy einen tollen Job, es lassen sich verschiedene Weckzeiten einprogrammieren und, tadaa, es funktioniert problemlos. Ist ja auch mal was. Übrigens, kleiner Retro-Trip: Snake ist vorinstalliert, sollte es an der Bushaltestelle mal langweilig werden. Ein Taschenrechner, eine Kalenderfunktion und sogar eine Taschenlampe (via LED auf der Rückseite) sind ebenfalls integriert. Kamera? Kein Check. Das wars aber auch schon, mehr bietet das Telefon nicht. Eine Kamera findet sich ebenso wenig wie die Möglichkeit Programme wie Whatsapp zu nutzen. Wer Wert auf diese Funktionen legt, wird zum knapp 44 Euro teuren Nokia 225 greifen müssen.

Fazit

Das klingt jetzt alles viel negativer als es eigentlich gedacht ist. Für einen Preis von gerade einmal 27 Euro ist das Nokia 130 ein hervorragendes Mobiltelefon – eben weil es nichts kann. Im Gegenzug hält der Akku angenehm lange durch, das Telefon ist klein und handlich und wiegt nicht einmal 70 Gramm. Nach meinen Erfahrungen mit preiswerten MP3-Playern würde ich das Nokia 130 jedem 30-Euro-MP3-Player vorziehen. Hauptsächlich wegen der flotten Menü-Geschwindigkeit und der deutlich weniger zickigen Benutzerführung im Vergleich zu Playern von Intenso und co. Dual-SIM ist ebenfalls nice to have, keine Kamera im Handy zu haben kann in einigen Branchen sogar von Vorteil sein. Und nicht dauernd per Whatsapp erreichbar sein, schaden kanns nicht 😉 . Wer also einfach nur ein günstiges (Zweit-)Telefon für unterwegs, mit guter Laufzeit und Musikabspielfunktionen, sucht: voila, es muss kein gebrauchter Uralt-Knochen sein. Die Zeit mit dem Nokia 130 tut sogar mir ganz gut, wo ich doch sonst, beruflich bedingt, immer mit den neuesten Topmodellen der großen Hersteller hantieren muss. Es muss zum „erreichbar sein“ nicht immer das perfekt ausgestattete Luxus-Smartphone sein.

Klar, solche Telefone werden schon seit Ewigkeiten hergestellt. Aber brauchbare *neue* Modelle gibt es eben nicht mehr oft. Daher bekommt das Nokia 130 von mir einen Kauftipp – solange die Einschränkungen klar sind und keine zu großen Erwartungen gestellt werden.

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4 comments so far

  1. abraxa on

    Was bei einer Freundin mal relevant war: wieviele Kontakte kann man einspeichern und kann man diese synchronisieren mit dem PC oder gar auf dem PC eintragen und aufs Handy schubsen?

    • computerfuzzi on

      Es können 500 Kontakte eingetragen werden. Allerdings sind die Synchronisationsmöglichkeiten arg eingeschränkt – vom PC zum Handy geht IMO gar nicht, von Handy zu Handy geht per Bluetooth und Nokias „Slam“. Komfortabel ist das aber eher nicht.

  2. TheThagenesis on

    Gerade *das* war für mich in der Vergangenheit immer der Grund zu Nokia zu greifen. man konnte mit der PC Suite das komplette alte Handy backuppen und auf das neue Gerät übertragen konnte. Damals noch über IrDA (benutzt das och irgendwer?) Einzelkontakte kann man heutzutage zwar problemlos per BT machen aber gerade ganze Adressbücher sind oft ein Problrm. Ich hab gerade Mitte das Jahres beim Umzug von einem mittelalten Nokia auf Android ein Haufen manuell machen müssen. Den Kalender mit den ganzen Geburtstagserinnerungen hab ich bis heute nicht digital runter bekommen. Das will die Nokia Suite nur gegen ein installiertes Outlook syncen und ein komplettes Office wollte ich mir deswegen auch nicht kaufen. Daher wäre es interessant zu wissen ob man die mühsam über die Nummerntastatur eingetippten Daten auch wieder anständig runter bekommt, da kein Handy ewig hält und man irgendwann wieder umsteigen muss

  3. Heerner on

    Hallo was bedeutet bei nokia 130 die Meldung Kontakte nicht bereit, bzw wie finde ich den Ordner Kontakte Wieder?


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