Smartphones: Muss es immer Highend sein?

Wenn ich Smartphones und Tablets teste, dann meistens Highend-Geräte aus der preislichen Oberklasse. Samsung Galaxy S6, iPhone 6, Topmodelle von LG, HTC und und und. Kaum eines der Geräte ist für weniger als 400 Euro erhältlich. Dafür schauen die technischen Daten natürlich lecker aus – hochgezüchtete Quad- oder Octacore-Prozessoren, schnelle Grafikchips, viel RAM und Flash, hochauflösende Displays und und und. Muss ja für ne gewisse Zeit „halten“ ohne dass es veraltet.

Und dann steht der nächste Vertragswechsel an und die Leute tauschen ihr ehemaliges Highendmodell flott gegen das nächste Highendmodell, muss man ja, sonst läuft ja nix mehr. Zumindest versuchen uns das die Anbieter dauernd einzureden. Doch stimmt das wirklich? Sind Mittelklasse-Geräte unbenutzbar langsam?

Nein, natürlich sind sie das nicht. Klar, ein S6 oder iPhone 6, die haben schon Vorteile. Pulssensoren! Hey! Displays, bei denen man die Pixel nicht mal mit der Lupe erkennt. Das Logo wirkt als Statussymbol. Das *muss* doch einen Aufpreis von 400 bis 600 Euro wert sein oder? MUSS!

Das redet man sich gerne ein, wenn man gerade so viel Geld für solch ein Gerät bezahlt hat, klar. Oder hat hier schon mal jemand etwas klar überteuertes gekauft und dann gesagt „logisch habe ich mich über den Tisch ziehen lassen und das billige Gerät hätte locker gereicht. Aber ich zahle gerne dreimal so viel Geld, ich hab’s ja!“?

In den letzten Monaten konnte ich mehrfach den Direktvergleich machen: Wie schlagen sich preiswerte Smartphones in der Preisklasse bis 160 Euro gegen die Topmodelle? Lohnt sich der Aufpreis? Meine Antwort ist einfach: Nein, der Aufpreis lohnt sich in den seltensten Fällen.

Nehmen wir das Beispiel der Android-Smartphones. Da gibt es, auch ohne das Risiko eines Chinaimports, Geräte wie das Wiko Highway Signs für 159 Euro. Bei diesem Telefon ist zwar der Prozessor mit 1,3 Gigahertz niedriger getaktet als bei den Highend-Geräten (und es ist nur ein A7 statt der schnelleren 64-Bit-ARMs der Topmodelle), den Leistungsunterschied dürften 90% der Anwender allerdings nicht bemerken. Samsung-Kunden schon gar nicht, so sehr wie Samsungs Oberfläche das „Smartphone-Erlebnis“ verlangsamt 😉 . Android läuft flüssig, Anwendungen flott und Spiele sind auch in hohen Details zu genießen. Sicher, der Ladevorgang dauert „dank“ 1 Gbyte RAM etwas länger. Aber das ist  zu verschmerzen, denn „etwas“ ist nicht „unerträglich“ 😉 .

Für Geräte wie Sonys Xperia-Z-Modelle sehe ich noch eine Lücke im Markt für teure Smartphones, da die Telefone wasserdicht sind – was einigen Leuten durchaus den Allerwertesten retten dürfte (ich werfe ja auch gerne mal Dinge ins Wasser und hoffe dann, dass sie danach noch funktionieren. Zuletzt mit dem Fritz!Fon getestet – es geht noch).

Privat nutze ich seit einem halben Jahr ein Prestigio Multiphone 8500 DUO, ein Windows-Phone-Geräte der preislichen Einstiegsklasse. Über die Performance kann ich mich nicht beklagen, das Display ist auch gut und sogar Gorilla-Glas-geschützt (das des Wiko Highway Signs übrigens auch). Das einzige was mich wirklich sehr stört ist die fehlende App-Vielfalt – vieles gibt es halt dann doch nicht für WP8.1 und das was es gibt, ist oft schlechter bedienbar oder bei den Funktionen abgespeckt. Das muss nicht sein, liebe Entwickler, sowas ist kacke. Ich würde auch gerne den Fire-TV-Stick mit dem Smartphone fernbedienen. Apps gibts aber nur für Android und iOS. Und dann werfen mir die Leser in den Kommentaren unter Tests vor, ich würde schamlos lügen, wenn ich behaupte, für WP gibts weniger Apps als für Android. Klar, macht mal nen Realitäts-Check!

Mein Fazit: Es muss nicht immer teuer sein. Ein 160-Euro-Smartphone dürften 90% der Smartphone-Nutzer vollkommen reichen. Und wenn ich auf das Wiko einen Samsung-Schriftzug kleben würde, könnten die meisten Galaxy-Nutzer die Geräte wohl rein anhand der Geschwindigkeit nicht unterscheiden können. Lasst euch nicht verarschen. Natürlich werden die Topmodelle öfter getestet. Das bedeutet aber nicht, dass man ohne Highend nichts mehr reißen kann. Es ist eher so, dass kaum jemand auf den Test eines preiswerten Smartphones klickt, was die Redaktionen natürlich dazu verleitet, ausschließlich Highend testen zu lassen. Ihr habt es also auch in der Hand – wenn ihr auch über preiswerte Geräte informiert werden wollt, dann klickt die entsprechenden Tests auch an und geifert nicht nur auf den Test eines Topmodells. IHR könnt tatsächlich etwas ändern.

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