Film- und Buchtipp: Mara und der Feuerbringer

Um Ostern herum lief in den Kinos nicht nur FF7 an sondern auch ein kleiner, unbeachteter deutscher Film namens Mara und der Feuerbringer, basierend auf der gleichnamigen Buchreihe von Tommy Krappweis (Miterfinder von Bernd das Brot). Vom Filmverleih offenbar als Kinderfilm eingestuft, lief der Film in den meisten Kinos ausschließlich in den Vor- und Nachmittagsvorstellungen. Es gab so gut wie keine Werbung und auch Plakate waren in den Kinos nicht oft zu sehen. Die Reaktionen bei Youtube und Facebook auf den Trailer waren typisch für die von mir so oft kritisierten Internet“kritiker“: „Deutscher Film? Kann nix sein“ – „Ich seh doch jetzt schon wie scheiße der Film ist“ oder „Die Effekte sind total beschissen“.

Nun ist es fast schon zu spät um den Film noch im Kino sehen zu können und der olle Computerfuzzi rät euch, dass ihr euch den Film unbedingt anschauen solltet. Super gemacht, Computerfuzzi, echt mal, Timing kannste nicht.

Aber es gibt Hoffnungen: Mitunter lassen sich Kinobetreiber überzeugen, den Film doch noch ins Programm aufzunehmen. Bei uns ist er mit einem Monat „Verspätung“ angelaufen – und die Säle im Kino sind voller als am Startwochenende.

Worum gehts bei Mara und der Feuerbringer? Die 15-jährige Mara ist nicht nur genervt von ihrer übertrieben esoterischen Mutter, von ihren Tagträumen und den damit verbundenen Problemen in der Schule – eigentlich ist sie von allem genervt, wie es sich für ein pubertierendes Mädchen gehört. Und dann spricht plötzlich auch noch ein Zweig mit ihr und teilt ihr mit, dass ausgerechnet sie die Welt vor dem Ragnarök bewahren muss. Diese nordländische Version der Götterdämmerung droht nämlich, wenn sich der Halbgott Loki aus seinem Gefängnis befreit. Und es ist bereits Viertel vor Loki!

Mara stellt fest, dass sie tatsächlich von ihrer, unserer, Welt in die von Loki wechseln kann um mit dem Halbgott zu reden. Übrigens, Loki wird wirklich überzeugend von Christoph Maria Herbst dargestellt. Und der schafft es, selbst auf einem Stein festgebunden und mit den Därmen von Lokis Sohn gefesselt die halbe deutsche Schauspielerriege an die Wand zu spielen. Applaus!

Es bleibt im Film natürlich nicht bei Loki, da gibt es mit dem Feuerbringer noch eine weitere heiße Bedrohung und mit Nibelungen-Siegfried auch noch einen heißen Mitstreiter.

Ich bin ein wenig verliebt in den Film. Und in die Bücher. Autor Tommy Krappweis hat mit den drei Mara-Büchern eine tolle Jugendbuch-Fantasy-Reihe erschaffen, die spontan Lust auf noch mehr macht. Meiner Meinung nach muss sich Mara auch hinter Harry Potter nicht verstecken. Und was den Film angeht, stehe ich hinter der Gamestar, die Mara und der Feuerbringer als besten deutschen Fantasyfilm seit „Die unendliche Geschichte“ bezeichnet.

Anekdote: Am Abend nachdem ich mit meiner Liebsten und dem Sohn im Kino Mara das erste mal gesehen habe, schauten wir hier daheim den dritten Teil des Hobbits. Und die Schlacht der wievielauchimmer Armeen war zwar bildgewaltig und episch inszeniert aber definitiv nicht so unterhaltsam wie Mara und der Feuerbringer.

Apropos: Die Spezialeffekte, bei deutschen Fantasy-Produktionen ja oft ein Punkt zum Fremdschämen, sind bei Mara hervorragend. Schuld dürfte unter anderem die Zusammenarbeit mit John Nugent sein, der schon den Balrog im Herrn der Ringe animierte. Und eine kleine Rolle im Film hat Herr Nugent dann auch noch bekommen – zusammen mit Billy „Pippin“ Boyd übrigens 🙂 .

Um die Qualität des Drehbuches braucht sich kein Fan der Bücher sorgen, zeigt sich doch der Autor persönlich für Drehbuch und Regie verantwortlich. Tommy Krappweis agiert dazu auch in den sozialen Medien vorbildlich und sympatisch.

Einen Haken hat die Sache aber: Der Start des Filmes war verheerend. Keine 20.000 Besucher am Startwochenende, da schaffen selbst unsynchronisierte Spartenfilme mehr. Aber die werden ja lustigerweise auch beworben 😉 . Die Chancen auf einen zweiten und dritten Teil der grandiosen Serie (und glaubt mir, in den Büchern wirds in Band zwei und drei noch sehr turbulent) stehen damit denkbar schlecht.

Also, springt über euren Schatten, schnappt euch Freunde, Verwandte und nette Leute von der Straße und geht ins Kino wenn der Film noch irgendwo läuft. Und wenn ich euch neugierig gemacht habe und der Film läuft nicht mehr: Ruft bei eurem Kinobetreiber an, schreibt ihm Mail, fragt nach Mara und der Feuerbringer. An die Lehrer: Der Film ist ganz offiziell als „wertvoll“ und hilfreich für den fächerübergreifenden Unterricht eingestuft worden. Schnappt euch eure Schulklasse – so ab der sechsten oder siebten Klasse dürfte sich das auch in den Unterricht integrieren lassen – und verpasst den Kids eine Lektion in nordischer Mythologie. Lernt man hierzulande viel zu wenig drüber, obwohl unsere Vergangenheit da viel mehr Berührungspunkte aufweist als zu Römern, Griechen oder so.

Fans der Band Schandmaul dürfen übrigens auch einen Blick oder wenigstens ein Ohr wagen: Der Soundtrack ist zusammen mit Schandmaul entstanden, das Album „Unendlich“ wurde mit ein paar Mara-Zusatztracks neu aufgelegt.

Gebt einem deutschen Film eine Chance. Mara und der Feuerbringer ist wirklich gut gemacht, spannend, lustig und sogar etwas lehrreich. Die 90 Minuten vergehen immer wieder wie im Fluge. Und ja, ich habe ihn tatsächlich schon mehrmals gesehen. Obwohl ich normalerweise kein großer Filmfan bin und schon gar kein Kinogänger.

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1 comment so far

  1. Sven MK on

    Was bleibt mir da mehr als Deine Worte zu Unterstreichen. Der Film ist wirklich zu empfehlen. Unterhaltsam, Lehreich und mit viel Humor ohne trashig zu werden.


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